Wie Weichspüler die Haute Couture ruiniert

Der Teufel trägt PradaEs gibt Filme die man möglichst schnell vergessen sollte. „Der Teufel trägt Prada“ gehört dazu, und nicht etwa weil er ein unglaublich schlechter Film ist, sondern weil er versäumt ein besonders guter Film zu sein. Selten habe ich einen Film gesehen der jegliches Potential einfach liegen läßt. Thema, Meryl Streep, Anne Hathaway und die Bestsellervorlage sollten reichen um einen überdurchnittllichen Film zu produzieren – Ergebnis jedoch ist ein Filmchen das an Seichtheit kaum zu unterbieten ist, und das ein Werk wie „Schlaflos in Seattle“ als sozialkritisches Meisterwerk erscheinen läßt.

Es beginnt schon mit dem Vorspann: Typographie und Layout wecken die Erwartungen an ein 80er Jahre B-Movie, und man beginnt sich zu fragen ob man evtl. im falschen Kinosaal sitzt. Dann wird ein reingewaschenes Bild der Modewelt gezeichnet, das in seiner Harmlosigkeit seltsam lächerlich wirkt. Ernsthaft: Tyrannei und Mobbing am Arbeitsplatz sehen anders aus. Da kann sich Meryl Steep noch so Mühe geben, als Teufel erscheint sie nie – man hat sie sogar ein wenig lieb in ihrer Gehässigkeit. Drogen, Mißgunst und Gewalt finden nicht statt oder werden ein kleines harmloses Witzchen. Ab und an blitzt zwar der Ansatz von Sarkasmus durch, aber in der Überdosis Weichspüler hat er keine Cance. Teilweise fragt man sich ob der Regisseur jemals am Set anwesend war, so führungslos harmlos plätschert das Filmchen dahin. Das zweifellos vorhandene Talent von Hathaway (man siehe nur „Brokeback Mountain“), bleibt ebenso ungenutzt wie das von Meryl Streep. Immerhin beweist sie was man auch aus schlechten Drehbüchern noch rausholen kann, trotzdem hat man schon mehr von ihr gesehen. Kamera und Schnitt sind teilweise eher den Tourismusbüros von New York und Paris entliehen, und der Soundtrack ist ein äußerst liebloses Sammelsurium von Popliedern zum Thema Mode und Eitelkeit.

Insgesamt taugt der Film höchstens was für verregnete Sonntagnachmittage im ZDF. In diesem Kontext würde ich ihn sogar als gut empfinden, ohne dies abfällig zu meinen. Aber im Kino des Jahres 2006 hat der Film nichts verloren. Als Lehrer würde man sagen: „Thema komplett verfehlt!“

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