Nachwehen

Hiermit melde ich mich aus der Welt der Träume zurück. Ich muss sagen sie war eindeutig spannender als die gesamte Oscarnacht. Eigentlich wollte ich heute Nacht vielmehr protokollieren, aber es fehlte an allen Ecken und Enden, und in meiner Enttäuschung hatte ich kaum Lust in die Tasten zu hauen. Ich bin noch nicht mal enttäuscht über die Vergabe der Preise, die geht im großen und ganzen in Ordnung, sondern von der Show an sich. Es fing schon an, mit der unglaublich schlechten Red Carpet Show von Pro Sieben. Steven Gätjen konnte einem fast Leid tun, aus lauter Verzweiflung dass bei ihm keine Stars stehen blieben interviewte er gleich zweimal die deutschen Oscarhoffnungen. Leider empfange ich kein E!, so dass das Warmlaufen für die Oscars entfiel. Kein „Who are you wearing?“ Kein oberflächliches Geplänkel mit den Stars, nur ein Herr Gätjen, der sich den Mund fusselig redete um die starlose Zeit zu überbrücken. OK, es gab immerhin die offizielle ABC Pre-Show, aber die kommt auch nicht an den kultigen Trash von E! heran. So langweilig alles, dass wir gar nicht zum ablästern über die Outfits gekommen sind.

Dann beginnt die Show. Ein netter Einspieler mit vielen Nominierten, ganz gut mehr aber nicht. Was waren das für Knaller-Opener als Billy Crystal noch moderierte. Dann kommt Ellen, sie ist zwar recht lustig, aber irgendwie fährt sie mit angezogener Handbremse. Wenn ich bedenke wie sie die Emmys moderiert hat, dann haben ihr die Acedemy-Vorsitzenden gestern wohl vorher etwas in den Tee getan. Ehe man sich versieht sind die ersten Oscars vergeben. Pans Labyrinth legt ganz gut vor, und dann komen drei unglaublich langweilige Showacts. Ein Soundeffekt-Chor, nett aber überflüssig. Dann Randy Newman mit dem ersten nominierten Song, der so langweilig ist, dass man Angst hat er würde gleich mit dem Kopf auf die Tasten fallen weil er sich selbst hypnotisiert hat. Gleich im Anschluss trällert Melissa Etheridge ihr Lied, und es ist eine ziemlich Überraschung dass solch belanglose Lieder überhaupt nominiert sind. Frau Etheridge gewinnt nachher sogar noch, aber wahrscheinlich nur deshalb, weil sich die drei Dreamgirls-Lieder gegenseitig die Stimmen weggenommen haben.

Danach blieb es so zäh, dass ich die genau Abfolge schon nicht mehr weiß. Alle paar Sekunden wurde Jack Nickolson im Publikum gezeigt, und ich bin mir sicher er kann nicht mehr zwischen Realität und seinen Rollen unterscheiden. Die Ansager der verschiedenen Preise lesen diesmal so unmotiviert vom Teleprompter ab, dass man das Gefühl hat sie wären dazu gezwungen worden. Man wartet sehnsüchtig auf eine Überraschung, einen spektakulären Showakt, oder eine mitreissende Dankesrede. Nichts dergleichen geschieht. Die Dankesreden sind so unoriginell dass man den Gewinnern den Oscar sofort wieder entreissen möchte. Das liegt sicher auch daran, dass auch immer die Favoriten der Kategorie gewinnen, und diese davor schon ziemlich überzeugt waren zu gewinnen. Umso mehr hätte ich mir ein paar Überraschungen gewünscht, aber die einzige Kategorie wo es dann passiert, ist die der besten weiblichen Nebenrolle. Ausgerechnet hier darf Jennifer Hudson überraschen, und dabei war die Kategorie so stark besetzt. Für Rinko Kikuchi und Adriana Barraza aus Babel sicherlich ein Schlag ins Gesicht, und auch Cate Blanchet muss sich verschaukelt vorkommen. Während selbst der Niedlichkeitfaktor von Abigail Breslin den Sieg von Hudson nicht verhindern konnte. Schade.

Natürlich gönne ich Mirren, oder Whitaker den Gewinn, aber eine temperamentvolle Dankesrede von Penelope mit spanischem Akzent hätte sicher mehr Stimmung in die Bude gebracht als das brave „Danke“ der Gewinner. Und wie sehr hätte ich mir einen Gewinn des wiedermal überaus sexy wirkenden Mark Wahlberg gewünscht. Wenn ich bedenke wo er seinen Anfang genommen hat, dann bin ich immer wieder erstaunt wo er gelandet ist. Aber er hätte ihn schon für Boogie Nights bekommen müssen.

Zwischendrin ging ja noch der Oscar an den deutschen Film, und wie ich schon schrieb: Es freut mich, aber Florian Henckel von Donnersmarck ist mir so unglaublich unsympathisch, dass eher Fremdschämen statt Freude bei mir einsetzte.

Der vermeintliche Höhepunkt des Abends war auch keiner. Beste Regie und bester Film wie erwartet an Departed. Und die unglaubliche Arroganz des Herrn Scorsese bei der Dankesrede vermieste einem den Abend noch mehr. Irgendwie wollte er anscheinend mitteilen, dass er bei seinen bisher erfolglosen Nominierungen hätte gewinnen müssen. Meiner Meinung nach hat er bisher zu Recht nie ganz triumphiert, ich halte seine Filme für zu glatt, durchgestylt und berechnend. Immer auf der Jagd nach der Auszeichnung. Departed habe ich noch nicht gesehen, und evtl. hat er den Oscar verdient, aber die Jahre davor war es nie unverdient nicht gewonnen zu haben.

Erwähnenswert wären evtl. noch die extreme Oberweite von Jeniffer Hudson während des Singens eines der Dreamgirls-Lieder,
die vorherrschenden langen glatten Haare der Frauen, und die schrecklich langweiligen Outfits der Damen. Einzige positive Ausnahmen: Penelope Cruz und Kate Winslet.

Nun ja, nächstes Jahr kann es nur besser werden.

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