Rheinboulevard

1635Im Rahmen der Regionale 2010 hat die Stadt Köln den Wettbewerb Rheinboulevard Köln ausgelobt. Mittelpunkt der Aufgabe ist die Gestaltung des rechten Rheinufers in Köln inklusive der Verknüpfungspunkte zum Stadtteil Deutz und zu den Rheinbrücken. Insgesamt 23 Planungsteams wurden für die erste Bearbeitungsphase zugelassen, von denen nun sechs Abeiten ausgewählt wurden. Gestern konnte man sich im Stadthaus Deutz diese sechs Entwürfe ansehen, und die Planungsteams stellten sich den Fragen der Öffentlichkeit.

So gingen wir also gestern nach Deutz um uns die Ideen der Planer anzuschauen. Dem ersten Überblick folgte erstmal blankes Entsetzen: Dies sollten die besten sechs Entwurfsideen sein? Dies kann nur für ein äußerst niedriges Niveau der gesamten 23 Ideen sprechen. Bei zwei Entwürfen musste man sich ernsthaft Fragen wo genau die Idee lag (ich bin Architekt, also durchaus fähig Pläne zu lesen). Wenn die anwesenden Planer erst durch anwesende Laien auf wesentliche Schlüsselpunkte der Aufgabe aufmerksam gemacht werden müssen, bzw. ihnen das Vokabular der Aufgabe nicht geläufig ist, dann frage ich mich wie sie es schafften die erste Bearbeitungsphase zu überstehen. Einem Planer musste man erst zeigen wo sich der Ottoplatz in Deutz befindet. Unglaublich einfallslos zeigte sich der Entwurf das komplette Rheinufer mit einer vierreihigen Baumallee zuzupflanzen. Ein anderer Beitrag glänzte, überspitzt gesagt, allein durch eine einheitliche Gestaltung des Geländers.

Nach näherer Betrachtung zeigte sich jedoch dass immerhin zwei Entwürfe relativ gute Ansätze zeigten. Besonders ein Beitrag hob sich deutlich hervor (Name des Büros trage ich nach, da kurzfristig entfallen). Eine einheitlich Grundidee die mit unterschiedlichen Ausgestaltungen neue Bereiche von hoher Quälität schaffen. Verschiedene Ebenen, immer wieder zueinander versetzt, mit neuen Blickrichtungen und Wegebeziehungen und hohem Aufenthaltswert sind die hervorstechenden Merkmale des Entwurfs. Gut gefiel mir die Lösung besonders an der Szenerie Deutzer Kirmesufer und im Bereich Hohenzollernbrücke.

Größtes Manko aller Ideen war jedoch die Verknüpfung der Rheinbrücken mit dem neuen Rheinboulevard. Dies war entweder gar nicht gelöst, oder nur sehr unzureichend. Dabei ist dies meiner Meinung nach ein zentraler Punkt der Aufgabe gewesen. Was nützt ein gut gestalteter Boulevard wenn man ihn vom anderen Rheinufer aus kaum erreicht. Genauso die Lösungsansätze für den Deutzer Kirmesplatz: Kaum vorhanden. Obwohl man hier auch die etwas bizarre Anforderung der Aufgabe, den Platz für die Kirmesnutzung zu erhalten, kritisieren muss. Nein, gerade wenn man ein qualitativ verbessertes rechtes Rheinufer haben will gehört die Kirmes nicht mehr dort hin. Auch stimmige Konzepte für Lufthansahochhaus und Rheinterassen suchte man vergebens. Man kann also nur hoffen dass die Planer in der zweiten Bearbeitungsphase noch kräftig zu legen, und dass die Jury sich nicht für eine der Ideenlosen Baum und Geländerlösungen entscheidet. Ich erwarte besonders etwas mehr Mut und Weitsicht, denn die Entwürfe denken allesamt kaum über den Rahmen hinaus. Und gerade die rechte Rheinseite bedarf eines Impulses bis tief in die Stadtteile hinein. Da dürfen die Entwurfspläne nicht 20 Meter hinter dem Rheinufer aufhören.

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