Heiße Luft

23706Es nervt. Sobald in unserer westlichen Welt ein Gasrohr platzt, ein Flugzeug verunglückt oder der Strom ausfällt, fällt in den Medien der Satz: „Nach ersten Informationen handelt es sich um keinen Terroranschlag.“ Warum muss dies immer wieder extra betont werden? Schon vor 2001 gab es leider tragische Unfälle in unserem Leben, und dies hat sich seither nicht verändert. Man beugt sich doch gerade dem Terror, wenn man in jedem Ereignis einen Bezug zum Terror sucht und danach dementieren muss. Diese ständige Jagd nach der sensationellen Nachricht macht zuerst jeden ungewöhnlichen Unfall (auch wenn er für die Betroffenen sehr tragisch ist) zu einem potentiellen Terroranschlag. Um die banale Nachricht im nachhinein zu rechtfertigen, wird später immer betont dass es sich glücklicherweise (wie zynisch den Opfern gegenüber) nicht um einen Terrorakt gehandelt habe. Mit dem Dementi wird jedoch immer ein Bezug zum Terror hergestellt, in dem man ihn ausschließt. Da wird stundenlang live aus New York von einer, zugegebenermaßen tragischen, Dampf-Explosion berichtet, obwohl relativ schnell klar war dass es sich um einen Unfall im Versorgungssystem handelte. Nein, der Terror ist eben nicht allgegenwärtig, so wie es uns die Medien und ein übereifriger Schäuble weismachen wollen. Unser westliches Leben ist allgegenwärtig von Unfällen und Schicksalsschlägen. Und ich wage die Behauptung, dass unser Leben immer unsicherer wird, weil die technische Sicherheit zu ungunsten der vermeintlichen Sicherheit gegen Terror vernachlässigt wird.
Während in New York ein Dampfleitung platzt gehen in Bagdad im Wochentakt die Bomben hoch. Erklärt einem Iraker mal was es heißt in ständiger Angst vor dem Terror zu leben. Ich hier in Köln muss jede Minute damit rechnen, dass ein Anschlag auf mein Leben stattfindet. Deshalb ist es auch gerechtfertigt wenn die Reporter bei jedem Autounfall eine Livesendung starten, um zu betonen dass es diesmal kein Terrorakt war.

2 Gedanken zu „Heiße Luft&8220;

  1. Hi, war gerade in New York, als die Dampfleitung hoch ging und ungefähr zwei Straßen von dem Ereingnis entfernt. In New York selber wurde eine sehr widersprüchliche Informationstaktik gefahren. Plötzlich fuhren auf den Straßen ungefähr 50 Polizeiautos den Timesquare hoch und runter. Alle New Yorker telefonierten. Man schnappte etwas über einen Brand auf, mehr Informationen gab es nicht. Also warteten wir am Timesquare, ob die News irgendwas zu berichten hatten. Neben Börsennachrichten, dann einmal ein kurzer Satz – Explosion in New York. Mehr nicht. Ich muss zugeben, dass mich das ziemlich beunruhigt hat. Zumal die Nachrichteninformationen wiederholt wurden, aber dieser eine Satz aus den Nachrichten gestrichen wurde, wohl auch, um keine Panik zu verbreiten. Man versuchte in New York einerseits mit Polizeipräsenz Sicherheit zu suggerieren und verunsicherte damit, andererseits aber auch eine Informationssperre zu zelebrieren, die ihrerseits wenig zur Beruhigung beitragen konnte.

  2. Die Unsicherheit vor Ort ist ja auch verständlich, und unmittelbar nach dem Ereignis erstmal nachzuvollziehen. Meine Kritik richtet sich eher gegen die Medien hier. Da kommen sofort Sondersendungen, dass Programm wird unterbrochen etc.. Wir hier in der Ferne hätten nun wirklich die Zeit genaueres abzuwarten, und dann die Nachricht zu verbreiten. Zumal mich dieses Ungleichgewicht in der Berichterstattung ankotzt: Wo bleiben die Sondersendungen wenn in Basra auf dem Marktplatz eine Bombe explodiert? Die Wahrscheinlichkeit dass es sich dabei um einen Terrorakt handelt liegt nun einmal wesentlich höher.

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