Gesunde Milch

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Geduld – mit der Zeit wird aus Gras Milch.
Aus China

Bereits Ende 2007 las ich über das Projekt, dass der Regisseur Gus van Sant einen Film über das Leben von Harvey Milk dreht, mit Sean Penn als Hauptdarsteller. Seit diesem Moment habe ich interessiert jede Nachricht über dieses Projekt verfolgt. Wie z.B. die Umwandlung des Castro-Districts in San Francisco in den Zustand der 70er Jahre, oder die Verpflichtung von James Franco, Josh Brolin und sogar Jeff Koons. Proposition 8 in Kalifornien tat ihr übriges, dass der Film bereits die Blogs und Zeitungen füllte bevor er überhaupt in die Kinos kam.
Letztes Wochenende dann ging es in die Kölner Südstadt um das fertige Produkt zu begutachten. Wenn man so lange gespannt auf einen Film wartet und schon so viel über ihn gelesen hat, dann kann dies ein ziemlicher Nachteil sein. Als ich das Kino verlies war ich erst einmal enttäuscht. Weniger weil ich den Film schlecht fand, sondern eher weil ich extrem hohe Erwartungen hatte, die ein Film kaum erfüllen kann. Deswegen schreibe ich den Eintrag auch mit so einer Zeitverzögerung, denn Tag für Tag wich die Enttäuschung wieder.

Der Film ist gut, streckenweise sogar sehr gut. Gus van Sant schafft es eine Biographie zu verfilmen, die sich spielerisch zwischen Dokumentation und Erzählung schlängelt. Der Zeitgeist wird hervorragend eingefangen, und jede einzelne Person wirkt authentisch. Es sind die Kleinigkeiten die den Film aus der Reihe der Biopics hervorhebt. Zum Beispiel die Montage von historischem und neuem Material ist extrem einfallsreich gelöst. Neues Filmstücke wurden künstlich historisiert, während altes Material digital aufgearbeitet wurde. So wirkten die alten Bilder nie als Fremdkörper.
Einzelne Szenen werden von der Kamera in Form zeitgenössischer Kunst eingefangen, wie zum Beispiel die Poolszene mit James Franco die einen David Hockney in bewegte Bilder umsetzt. Oder die Telefonszene die eine Hommage an Warhol ist. Dies sind die genialen Momente, die den Film deutlich von anderen Biographien abhebt.
Dazu kommen die sehr guten Schauspielerischen Leistungen, allen voran natürlich die von Sean Penn.

Glücklicherweise fällt der Film auch nie in die Falle aus der Lebensgeschichte von Milk einen Propagandafilm für Schwulenrechte oder einen Märtyrerfilm zu machen. Zwar bezieht er eindeutig Stellung, jedoch vorrangig durch die Darstellung des Menschen Milk und nicht durch politische Plattitüden.

Meine anfängliche Enttäuschung rührt von der Tatsache her, dass der Film für mich noch viel länger sein hätte können. In den 128 Minuten fehlt für manche Aspekte dann leider die Zeit. Das Verhältnis zu seinen Partnern wird zwar angeschnitten und erzählt, muss aber neben dem politischen Teil zurückstecken (was man natürlich auch metaphorisch interpretieren kann). Ebenso hätte der Gegenspieler, gespielt von Josh Brolin, gerne noch mehr Platz einnehmen können.

Mit einer Woche Abstand: 8,5 von zehn Sternen.

[imdb]1013753[/imdb]

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