Ganz schön viel los

gordon

Eine Menge ist noch keine Gesellschaft.
Roger Bacon

Bevor noch mehr Tage ins Land ziehen noch ein paar Wort zum Film Taking Woodstock.

Ang Lee gehört ohne Zweifel zu meinen favorisierten Regisseuren, deshalb war ich auch ziemlich neugierig was er aus dem Thema Woodstock machen würde. Er wählt auch einen interessanten Ansatz, nämlich die Perspektive auf die Massenveranstaltung, ihre Planung und ihre Auswüchse zu legen und nicht auf das Konzert. Von dem Konzert sieht man in dem Film nämlich genau das, was die Mehrheit der Leute dort gesehen hat: Eine riesige Menschenmenge, mehr nicht; keine Auftritte, keine Bühne kein Konzert.

Dieser Ansatz macht auch den Charme des Films aus. Man wähnt sich mitten im Trubel, man will in Richtung Bühne, kommt aber nur in Berührung mit einer Vielzahl an unterschiedlichen Leuten und Charakteren. Das ist Nett, teilweise spannend und am Ende vermutlich interessanter als wenn man den Akkorden von Janis oder Joe gelauscht hätte.
Der Film beobachtet eigentlich nur, einerseits das Zustandekommen des Festivals aus Sicht des Mitveranstalters Elliot Tiber (basierend auf seinen Memoiren), und andererseits das Chaos wenn über eine Millionen Menschen auf eine ländliche Farm in den USA hereinbrechen.

Elliot Teichberg (Demetri Martin) hat die Kleinstadt Bethel bereits vor Jahren verlassen. Dennoch fühlt er sich für seine Eltern verantwortlich, und kehrt Sommers zurück um ihnen bei der Bewirtschaftung des heruntergekommenen Motels zu helfen.Er sieht eine Chance das Geschäft wieder anzukurbeln, als er von der Absage des Ortes Walkill erfährt dort ein Musikfestival zu genehmigen. Er setzt sich mit den Organisatoren in Verbindung, und es gelingt ihm tatsächlich sie davon zu überzeugen dass Bethel der geeignete Ort ist. Und ehe sie sich umsehen können, befinden sich Elliot und seine Eltern im Zentrum des legendärsten Musikfestivals aller Zeiten.
Lee beschränkt sich fast ausschließlich auf die Coming-of-Age-Geschichte von Elliot, und das Festival ist zwar zentrales Thema, bildet aber dabei stets im Hintergrund bleibend nur den Rahmen. So fühlt man sich gleichwohl mitten drin im Geschehen, aber dennoch irgendwie auch nur am Rande. So wie man die Musik nur als Grollen in der Ferne wahrnimmt, sich aber als Teil des Ganzes empfindet. Die räumlich nächste Begegnung mit dem eigentlichen Konzert die Elliot hat, findet am fernen Rand auf einem Hügel mit einem LSD-Rausch statt. Die Menge und die Musik verschmelzen zu einer einzigen großen Kosmischen Welle (wunderbar Kameratechnisch umgesetzt).
Ein Stilmittel der legendären Woodstock-Dokumentation, nämlich die Splitscreens, werden als Referenz benutzt und dienen als Bildwerdung des hektischen Treibens rund um das Motelgelände.

Der feine komödiantische Unterton des Films und die Konzentration auf die wenigen Personen und ihre Rollen in diesem Zeitgeschehen, schaffen es wunderbar das Gefühl dieses „Summer of 69“ zu vermitteln. Besonders die Leichtigkeit des Films ist angenehm, da er nicht versucht dem Mythos Woodstocks auf die Spur zu kommen und ihm dadurch vermutlich dennoch näher kommt als jede soziologisch, analytische Dokumentation.
Eine Schwäche hat der Film dennoch, und das ist wiederum die manchmal dann doch zu detailreiche Konzentration auf die Beziehung Elliot zu seinen Eltern. Hier hätte ich mir einige Male mehr Distanz gewünscht.

Ich muss gestehen, dass ich mit dem Verlassen des Kinos erst einmal ein wenig enttäuscht war. Erst mit zeitlichem Abstand stellte sich die positive Betrachtungsweise des Films ein, und die Erkenntnis das meine spontane Enttäuschung meine falschen Erwartungshaltung geschuldet war. Vermutlich ähnlich den Besuchern des Woodstock-Festivals, die zunächst enttäuscht waren weil sie kaum Musik zu hören bekamen und erst im Nachhinein realisiert haben , dass Sie Teil eines zeitgeschichtlichen Ereignisses waren.

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2 Gedanken zu „Ganz schön viel los&8220;

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