Gestirne

gstreet

They didn’t belong there, but there they were.
Aus Adam

Zweimal Kino an zwei aufeinanderfolgenden Abenden.

Zuerst Whatever Works, das neuste Werk von Woody Allen. Von der Presse wurde mit Erleichterung die Rückkehr Allens nach New York aufgenommen, und entsprechend wohlwollende Kritiken gab es für den Film. Der Inhalt ist recht schnell erzählt: Boris Yellnikoff (Larry David) ist ein verbitterter Alter Mann, meckert über jeden und alles, und fühlt sich als verkanntes Genie. Bis die junge naive Ausreisserin Melodie (Evan Rachel Wood) in sein Leben tritt und alles ein wenig verändert. Stoff für eine gute Komödie, wenn, ja wenn das Drehbuch nicht bereits vor 30 Jahren begonnen worden wäre und man genau dies nicht merken würde.

Es ist eigentlich ein typischer Woody Allen Film mit spritzigen Dialogen, einer recht abstrusen Konstellation von Charakteren in der Kulisse New Yorks. Doch leider, so finde ich, funktioniert dieser Film nicht.
Die von den Kritikern herbeigesehnte Rückkehr nach New York brachte Allen leider in das New York der achtziger Jahre zurück. Mit dem gegenwärtigen New York hat der Film noch weniger zu tun als seine viel gescholtenen europäischen Ausflüge mit London oder Barcelona gemein hatten. Es erscheint wie eine klischeehafte Darstellung des New Yorks, dessen Klischee die alten Filme von ihm selbst geprägt hatten.

Ebenso verhält es sich mit den Charakteren, sie wirken wie die filmische Umsetzung alter Woody Allen-Charaktere. Larry David spielt Woody Allen, in einem Woody Allen Film der frühen Jahre, Evan Rachel Wood spielt eine schlechte Mira Sorvino und Patricia Clarkson eine billige Kopie von Diane Keaton.

Der ganze Film wirkt wie eine der typischen amerikanischen Neuverfilmungen von europäischen Kinoerfolgen: Eine plumpe Nacherzählung der das besondere des Originals komplett abgeht. Nur das hier keine europäisches Kinowerk neu aufgelegt wurde, sondern Allen sich selbst neu verfilmt.

Fazit: Wenn man einen Teebeutel zum zehnten Mal aufbrüht kommt dabei nicht viel mehr als heißes Wasser bei heraus.

Dies bringt uns zum erfrischenden Gegenteil: Adam

Adam Raki (Hugh Dancy) ist ein normaler New Yorker, Ende 29, lebt in dem Appartement seines kürzlich verstorbenen Vaters, und leidet am Asperger-Syndrom. Bedingt durch dieses Leiden zeigt Adam Schwächen in sozialen Interaktionen, insbesondere das Fehlen der Fähigkeit zu erkennen was andere Denken, also dem Deuten nonverbaler Kommunikation.

Mit dem Einzug der neuen Nachbarin Beth (Rose Byrne) beginnt sich jedoch einiges an der durch das Asperger Syndrom eingespielten Routine im Leben von Adam zu ändern. Anfangs noch etwas irritiert von seinem reservierten Verhalten, fühlt sich Beth nach Entdeckung des Grundes dafür mehr und mehr von ihm angezogen. Dies führt zu äußerst rührenden, charmanten Momenten des Werbens von Adam bei ihr.

Scheinbar einfache Dinge wie das Treffen von Beth Freunden oder die Bekanntschaft mit ihren Eltern ist für Adam ein anstrengendes, teilweise nicht zu bewältigendes Unterfangen.
Die Frage „bekommen sie sich, oder bekommen sie sich nicht“ führt glücklicherweise nicht zur klischeehaften sentimentalen Romantikkomödie. Selbst als Adam ihr in seinem Zimmer eine Sternenprojektion zeigt rutscht es nicht ins banale ab.

Adam ist ein schönes Beispiel dafür, das man eine Krankheit auch in die Handlung eines Films einbauen kann, ohne daraus einen Betroffenheitsfilm zu machen. Sein Leiden macht zwar die Geschichte aus, ist aber nicht die Geschichte. Diese erfrischende Art verdankt der Film besonders der schauspielerischen Leistung der beiden Protagonisten. Hugh Dancy verkörpert Adam auf eine einfühlsame Weise als normalen Menschen, ohne die sonst so beliebte aufgebläht gespielte „ich will den Oscar gewinnen“-Weise mit der man gerne Menschen mit Behinderungen darstellt (siehe Rainman oder Beautiful Mind).

Zu den Schauspielerischen Leistungen kommt ein sehr sensibles Drehbuch, dass es vermeidet einen Film über Asperger zu machen. Es ist gibt dem Leiden Raum, ohne es in den Mittelpunkt zu stellen. Keine überdramatischen Momente, sondern leise feinfühlige, teilweise fast zärtliche Szenen machen den Film aus.

Fazit: Sehenswert!

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