23Januar

Mittwoch#4/08

Mal wieder ein Mittwochseintrag.
Die Passagen sind zwar wieder schön gewesen, aber irgendwie machen sie in erster Linie neidisch. Entweder die Wohnung ist zu klein oder der Geldbeutel zu leer. — Monopoly sucht die Städte für eine “World-Edition”. Ich stimme zwar fleißig für meine Heimatstadt Köln, ärgere mich aber eher darüber, dass fast nur westlich geprägte Städte zur Abstimmung stehen. Natürlich ist es das kapitalistische Spiel per se, aber wo sind Städte wie Teheran, Dhaka, Karatschi,Lagos, Kabul oder Ibadan? — Die Japaner haben immer wieder die schönsten Design-Ideen. Hier findet man ein Wasserglas, das nicht einfach schnöde Ränder hinterlässt, sondern süße kleine Wasserränder in Form einer Kirschblüte. Hat jemand eine Idee wo man die hier in Deutschland erwerben kann? — Die Oscarnominierungen stehen fest. Der Höhepunkt der Western-Filme ist anscheinend immer noch nicht erreicht. Nun gut, insgesamt eine akzeptable Mischung und noch einige viele Kinoabende für mich bis zum 24. Februar. — Heath Ledger ist tot. Bedauerlich, er war ein großes Talent. Als Ennis del Mar in Brokeback Mountain hat er sich auch in mein Herz gespielt. Auch wenn ihm leider der Oscar verwehrt wurde.

18Juli

mittwoch#28

23442Samstag machten wir einen Ausflug nach Maastricht. Wieso nimmt eigentlich die halbe Welt an, dass man nur zum Zwecke des Drogenkonsums in die Niederlande fährt? Nein, unser Ziel war tatsächlich ein anderes. Zuerst sahen wir uns auf dem Ceramique-Gelände im Nederlands Architectuurinstituut eine kleine, aber feine Auststellung zu Jean Prouvé an. Der Rest des Tages war gemütliches Schlendern durch die Altstadt angesagt, nachdem sich der Regen auch über der Niederlande verzogen hatte. Auf dem Rathausplatz eine Portion leckerer Fritjes genehmigt, und dann im Supermarkt ein paar kulinarische Besonderheiten besorgt (nein, kein Gras, sondern Lakritz und indonesische Gewürze).
Rechtzeitig abends zurück, um von unserem Balkon das Feuerwerk der Kölner Lichter bei einer Flasche Grolsch zu geniessen.
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Am Sonntag machten wir uns nach dem Frühstück zu einem kleinem Spaziergang auf. Auf der rechten Rheinseite führte uns der Weg Nordwärts, um schließlich nach ca. 14 Kilometern am Bayerwerk in Leverkusen in die S-Bahn zu steigen. Dummerweise wollte der Triebwagen bei der Hitze nicht mehr arbeiten, und so mussten wir noch eine kleine Sonderspazierfahrt im Saunawagen über Leverkusen einlegen. Es fehlte nur der Fichtennadelaufguß.

Wieso besteht die Berichterstattung sämtlicher Medien eigentlich nur noch aus Übertreibung? Mitte Juli drei Tage mit Temperaturen über 30 Grad Celsius als Hitzewelle zu bezeichnen empfinde ich als maßlos. Eine Woche Sommerwetter, und die Presse wird die Apokalypse verkünden.

17Juni

Rheinboulevard

1635Im Rahmen der Regionale 2010 hat die Stadt Köln den Wettbewerb Rheinboulevard Köln ausgelobt. Mittelpunkt der Aufgabe ist die Gestaltung des rechten Rheinufers in Köln inklusive der Verknüpfungspunkte zum Stadtteil Deutz und zu den Rheinbrücken. Insgesamt 23 Planungsteams wurden für die erste Bearbeitungsphase zugelassen, von denen nun sechs Abeiten ausgewählt wurden. Gestern konnte man sich im Stadthaus Deutz diese sechs Entwürfe ansehen, und die Planungsteams stellten sich den Fragen der Öffentlichkeit.

So gingen wir also gestern nach Deutz um uns die Ideen der Planer anzuschauen. Dem ersten Überblick folgte erstmal blankes Entsetzen: Dies sollten die besten sechs Entwurfsideen sein? Dies kann nur für ein äußerst niedriges Niveau der gesamten 23 Ideen sprechen. Bei zwei Entwürfen musste man sich ernsthaft Fragen wo genau die Idee lag (ich bin Architekt, also durchaus fähig Pläne zu lesen). Wenn die anwesenden Planer erst durch anwesende Laien auf wesentliche Schlüsselpunkte der Aufgabe aufmerksam gemacht werden müssen, bzw. ihnen das Vokabular der Aufgabe nicht geläufig ist, dann frage ich mich wie sie es schafften die erste Bearbeitungsphase zu überstehen. Einem Planer musste man erst zeigen wo sich der Ottoplatz in Deutz befindet. Unglaublich einfallslos zeigte sich der Entwurf das komplette Rheinufer mit einer vierreihigen Baumallee zuzupflanzen. Ein anderer Beitrag glänzte, überspitzt gesagt, allein durch eine einheitliche Gestaltung des Geländers.

Nach näherer Betrachtung zeigte sich jedoch dass immerhin zwei Entwürfe relativ gute Ansätze zeigten. Besonders ein Beitrag hob sich deutlich hervor (Name des Büros trage ich nach, da kurzfristig entfallen). Eine einheitlich Grundidee die mit unterschiedlichen Ausgestaltungen neue Bereiche von hoher Quälität schaffen. Verschiedene Ebenen, immer wieder zueinander versetzt, mit neuen Blickrichtungen und Wegebeziehungen und hohem Aufenthaltswert sind die hervorstechenden Merkmale des Entwurfs. Gut gefiel mir die Lösung besonders an der Szenerie Deutzer Kirmesufer und im Bereich Hohenzollernbrücke.

Größtes Manko aller Ideen war jedoch die Verknüpfung der Rheinbrücken mit dem neuen Rheinboulevard. Dies war entweder gar nicht gelöst, oder nur sehr unzureichend. Dabei ist dies meiner Meinung nach ein zentraler Punkt der Aufgabe gewesen. Was nützt ein gut gestalteter Boulevard wenn man ihn vom anderen Rheinufer aus kaum erreicht. Genauso die Lösungsansätze für den Deutzer Kirmesplatz: Kaum vorhanden. Obwohl man hier auch die etwas bizarre Anforderung der Aufgabe, den Platz für die Kirmesnutzung zu erhalten, kritisieren muss. Nein, gerade wenn man ein qualitativ verbessertes rechtes Rheinufer haben will gehört die Kirmes nicht mehr dort hin. Auch stimmige Konzepte für Lufthansahochhaus und Rheinterassen suchte man vergebens. Man kann also nur hoffen dass die Planer in der zweiten Bearbeitungsphase noch kräftig zu legen, und dass die Jury sich nicht für eine der Ideenlosen Baum und Geländerlösungen entscheidet. Ich erwarte besonders etwas mehr Mut und Weitsicht, denn die Entwürfe denken allesamt kaum über den Rahmen hinaus. Und gerade die rechte Rheinseite bedarf eines Impulses bis tief in die Stadtteile hinein. Da dürfen die Entwurfspläne nicht 20 Meter hinter dem Rheinufer aufhören.

Während des Urlaubs hat das MacBook auch Pause bekommen. Der Urlaub wird also nach und nach in diesem Blog rückblickend Eingang finden.
Basisstation unseres Urlaubs war ein Hotel in Thalwil, einer kleinen Stadt südlich von Zürich am Züricher See. Unser Zimmer, schön gelegen mit Blick auf den See, vermittelte bereits gehörig viel Urlaubsgefühl.16429Der erste Abend gehörte Zürich, einer Stadt mit einer seltsamen Mischung aus Provinz und Weltstadt. Einerseits eine mittelgroße Stadt mit sehr schönem Stadtbild, andererseits mit einem recht spießigen mondänen Charakter. Auch geprägt durch die Mischung von Englisch, Französisch, Italienisch und Deutsch auf der einen Seite, und dem in sich gekehrten Schwytzerdütsch auf der anderen Seite. Dies liegt wahrscheinlich daran, dass man als Deutscher glaubt das Schwytzerdütsch zu verstehen, und dann frustriert feststellt, dass es gar nicht so nah an dem Deutschen ist wie man glaubt. Durch das Gewirr der verschiedenen Weltsprachen gibt sich Zürich sehr weltoffen, aber trotzdem bietet das Schwytzerdütsch ein Rückzugsgebiet gegenüber dem Fremden.
16444Das Stadtbild ist äußerst ansprechend, und man könnte fast glauben jemand hätte die Stadt in SimCity mit all den Zutaten akribisch kreiert: Man nehme einen See, dazu ein oder zwei Flüsse, eine bewegte Topographie, eine Gebirgskette als Panorama, dazu eine verwinkelte kleine Altstadt und eine modernere repräsentative Neustadt. Ein paar Brücken, ein paar Kirchen und fertig ist die Stadt.
Leider war nicht so viel Zeit um richtig in die Stadt einzutauchen. Somit beschränkten sich unsere Eindrücke doch sehr auf eine touristische Sichtweise. Wir haben später noch mehrmals in Zürich Halt gemacht, aber die Klimaerwärmung und das daraus folgende Schmuddelwetter ließen keine besonders intensive Begegnung mit der Stadt zu.

31Oktober

Das Tor zur Welt

HamburgSeit gestern Abend bin ich zurück von einer kurzen Reise nach Hamburg. Auch wenn ich schon viel gereist bin, Hamburg war bisher nur Durchgangsstation. Ich denke das wird sich in Zukunft ändern. Zwar war ich durch Fieber und eitrige Mandeln tourismustechnisch ein wenig eingeschränkt, trotzdem habe ich genug gesehen um mir ein äußerst positives Urteil zu erlauben.

International gesehen haben es deutsche Städte meiner Meinung nach schwer in die Liga der Weltstädte aufzusteigen. Dies liegt an der förderalistischen Struktur Deutschlands, und hat auch einige Vorteile. Es gibt nicht die eine Stadt, die wirtschaftlicher und kultureller Höhepunkt des Staates ist, sondern es gibt mehrere Zentren mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Genau dies macht auch den Reiz Deutschlands aus, und genau hier setzt mein Kritikpunkt an Berlin an: Berlin ist zwar Hauptstadt und Einwohnerstärkste Stadt Deutschlands, aber sie ist eben weder kultureller noch wirtschaftlicher Mittelpunkt unseres Landes, sondern nur eine von mehreren Zentren (und auch dort im Vergleich selten Spitze). Leider wird aber seit der Vereinigung in Medien und Politik ein künstliches Bild von einem zentralistischen Deutschland mit Berlin als Zentrum gezeichnet. Dies macht mir persönlich die Stadt Berlin recht unsympathisch. Wenn man Berlin jedoch mit Städten wie Paris, London oder Rom vergleicht werden schnell erhebliche Unterschiede deutlich.
Einzeln betrachtet ist dies überhaupt kein Kritikpunkt, aber die Tatsache das Berlin ständig eine ähnliche Rolle beansprucht wie sie z.B. Paris in Frankreich hat, genau diese Arroganz behagt mir gar nicht. Der Vorteil an Deutschland liegt, meiner Meinung nach, genau in der Vielzahl der Zentren. Da gibt es die drei größten Städte: Berlin, Hamburg und München auf einer Ebene, und kurz dahinter kommen Köln, Frankfurt, Stuttgart, Düsseldorf und das Ruhrgebiet. Einzeln betrachtet kann keiner der Städte international (also im Vergleich zu Weltstädten) mithalten, aber gerade die dichte Masse an so vielen Zentren mittlerer Größe ist Weltweit relativ einzigartig.

Wieso schreibe ich das alles? Hamburg ist mir die sympathischste deutsche Millionenstadt, weil sie sich weder zu wichtig macht, aber ihre Stärken auch nicht versteckt. Abgesehen von einem wirklich unglaublich schönem Stadtbild, und dem Hafen welcher der Stadt gratis zu einem internationalem Flair verhilft.