Archives for category: Fernsehen

Das ZDF wird ja gerne als Retnerfernsehen bezeichnet, aber die Werbekampagne für Ein Mann, ein Fjord im Netz ist wirklich alles andere als angegraut:

Bär ohne Hose
Canicalm
Agentur für Glamourauftritte
Taxi Kemal
Schwarz-Ebershagen
Lars Hoegesund

Wer nicht versteht was dies mit dem ZDF zu tun hat, dem empfehle ich einen Blick ins jeweilige Impressum.

Mit Dank nach Deutz für den Tip und die Recherche.

Es war ein wenig ruhig hier in letzter Zeit, deshalb gibt es heute einen Ausflug in meine Kindheit. Samstags war früher bei uns Badetag, und damit man die Kinder auch in die Badewanne bekam wurden Lockmittel eingesetzt. Die Badezusätze waren in Flaschen mit kindheitsfreundlichen Motiven. In meinem Fall war dies häufig ein Mitglied der Barbapapa-Familie. Zwar war das Lockmittel eher kontraproduktiv, da die Flasche natürlich sehr schnell geleert werden musste um damit spielen zu können, und sich dem entsprechend viel zu viel Badezusatz in Unmengen von Schaum verwandelte, aber es erlaubte mir eine kleine Sammlung der Barbapapas anzulegen.
Vor ein paar Monaten entdeckte ich dann in einem Laden in der Ehrenstrasse die Barbapapas wieder, und anscheinend hatte ich so einen Anfall von sentimaler Kindheitserinnerung, dass ich heute Nacht von S. den Barbawum (der rote Barbapapa) geschenkt bekam. Nun ziert Barbawum als Kuscheltier meinen Nachttisch. Ich komme also wieder in das Alter wo Kuscheltiere ans Bett dürfen.

Zur Erinnerung hier der Vorspann des französischen Originals:

Ich muss ja bekennen, dass ich ein gewisses Faible für Serien habe. Leider gehören da nicht nur gut gemachte zu, wie z.B. ER oder Brothers and Sisters, sondern auch die Seifenopern. Nein, ich schaue nicht jeden Tag, und auch nicht alles was produziert wird, aber ab und an verfolge ich schon einige dieser Groschenromane im Fernsehformat. Glücklicherweise gibt es mittlerweile Youtube, denn dadurch wird mein Faible zeitersparend unterstützt. Der große Vorteil ist, dass man nur bestimmte Handlungsstränge einer Soap verfolgen kann, und dass man nicht nur auf deutsche Produktionen zurückgreifen muss. Meistens filtern die Benutzer von Youtube nur die für den Handlungsstrang wesentlichen Szenen heraus. Ein Merkmal von Soaps ist ja, dass dort alles unglaublich in die Länge gezogen wird. Zwischen morgendlichem Aufstehen und Duschen können schon mal Wochen vergehen. Bei Youtube ist dies plötzlich alles komprimiert. Keine anderen Geschichten die einen nicht interessieren, kein tägliches warten und keine Werbepausen. Man steigt schnell mal in einen Erzählstrang ein, schaut sich die Entwicklung der letzten Monate komprimiert an, um bei Bedarf zu sehen ob in der letzten Zeit der Handlungsstrang aufgelöst wurde.

Und so schaue ich dann mal schnell die Geschichte von Noah und Luke in As the World turns, oder von John Paul und Craig in Hollyoaks. Bei letzterer Serie prophezeie ich übrigens dem Schauspieler James Sutton eine große Karriere. Für eine Seifenoper legt er ein hervorragendes Schauspiel ab, und wir wissen ja wieviele Stars mal in solchen Produktionen ihr Karriere begonnen haben.

Die britischen Serien fallen in diesem Genre übrigens besonders positiv auf. Sie wirken sehr aufwändig produziert und stechen sehr hervor. Da könnten die meisten deutschen Produktionen noch was lernen. So, und nun schau ich mal, ob es in der Geschichte von John Paul und Craig etwas neues gibt.

Das man in den Staaten moralisch manchmal ein wenig hinterher hängt ist nicht neues. Es gibt dort eine täglich laufende Serie mit dem schönen Namen “As the World turns” die bereits seit 1956 (!) läuft. Am gestrigen Freitag kam es zu einer historischen Begebenheit im öffentlichen amerikanischen Fernsehen: Der erste gleichgeschlechtliche Kuss unter Jugendlichen. In Deutschland glücklicherweise mittlerweile eine ziemliche Selbstverständlichkeit, in den Staaten ein mediales Ereignis. Zwar tauchten die ersten Homosexuellen in Serien in den Staaten auf, aber mehr als eine Umarmung war nicht zu sehen. Und selbst bei etablierten Serien in denen Schwule eine Rolle spielen, wie z.B. Will & Grace, sind gleichgeschlechtliche Küsse Tabu. Erst im Bezahl-Fernsehen trauten sich die Fernsehgesellschaften etwas. In Deutschland ist es 17 Jahre her als es den ersten schwulen Kuss in der Lindenstraße gab, gefolgt von heftigen Debatten, Morddrohungen und moralischen Empörungen. Nach einiger Zeit beruhigte sich die Aufregung, und mittlerweile hat jede aufstrebende Serie ihren Quoten-Homosexuellen. Und auch Küsse untereinander sind selbstverständlich geworden (auch unter Jugendlichen). Allerdings geht der Trend eher zu lesbischen Paaren, Männerpaare sind recht rar, vermutlich weil man glaubt mit einem Kuss unter Frauen weniger zu provozieren.
Die Staaten haben es also nun auch geschafft eine schwule Teenagerliebe in eine 51jahre alte Soap zu integrieren. Und es wird wohl die nächsten Tage noch für reichlich Gesprächsstoff in Übersee sorgen.
Ein bemerkenswerter Aspekt bleibt, wenn man sich den Mitschnitt bei Youtube ansieht. In der Geschichte ahnt der Vater des einen Jugendlichen die homosexuellen Tendenzen seines Sohnes, und will ihn deshalb zum Dienst im Militär drängen, da er glaubt dort würde ein richtiger Mann aus ihm gemacht. In der Werbepause, die interessanterweise im Mitschnitt enthalten ist, platziert wer seine Werbespots? Richtig, die US Army! Sehr grotesk.

23706Es nervt. Sobald in unserer westlichen Welt ein Gasrohr platzt, ein Flugzeug verunglückt oder der Strom ausfällt, fällt in den Medien der Satz: “Nach ersten Informationen handelt es sich um keinen Terroranschlag.” Warum muss dies immer wieder extra betont werden? Schon vor 2001 gab es leider tragische Unfälle in unserem Leben, und dies hat sich seither nicht verändert. Man beugt sich doch gerade dem Terror, wenn man in jedem Ereignis einen Bezug zum Terror sucht und danach dementieren muss. Diese ständige Jagd nach der sensationellen Nachricht macht zuerst jeden ungewöhnlichen Unfall (auch wenn er für die Betroffenen sehr tragisch ist) zu einem potentiellen Terroranschlag. Um die banale Nachricht im nachhinein zu rechtfertigen, wird später immer betont dass es sich glücklicherweise (wie zynisch den Opfern gegenüber) nicht um einen Terrorakt gehandelt habe. Mit dem Dementi wird jedoch immer ein Bezug zum Terror hergestellt, in dem man ihn ausschließt. Da wird stundenlang live aus New York von einer, zugegebenermaßen tragischen, Dampf-Explosion berichtet, obwohl relativ schnell klar war dass es sich um einen Unfall im Versorgungssystem handelte. Nein, der Terror ist eben nicht allgegenwärtig, so wie es uns die Medien und ein übereifriger Schäuble weismachen wollen. Unser westliches Leben ist allgegenwärtig von Unfällen und Schicksalsschlägen. Und ich wage die Behauptung, dass unser Leben immer unsicherer wird, weil die technische Sicherheit zu ungunsten der vermeintlichen Sicherheit gegen Terror vernachlässigt wird.
Während in New York ein Dampfleitung platzt gehen in Bagdad im Wochentakt die Bomben hoch. Erklärt einem Iraker mal was es heißt in ständiger Angst vor dem Terror zu leben. Ich hier in Köln muss jede Minute damit rechnen, dass ein Anschlag auf mein Leben stattfindet. Deshalb ist es auch gerechtfertigt wenn die Reporter bei jedem Autounfall eine Livesendung starten, um zu betonen dass es diesmal kein Terrorakt war.