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hahnWas sich bei meinem letztem Beitrag bereits angedeutet hat wurde leider war. Seit Freitag haben mich Viren und Bakterien aus dem Verkehr gezogen, und erst durch Mithilfe der Medizin fühle ich mittlerweile besser, wenn gleich noch nicht besonders gut.

Abgesehen von Schlafen blieb nicht viel übrig als sich mit Fernsehen abzulenken. Jeder Versuch von Lektüre misslang, da auch die Augen beeinträchtigt sind. Besonders viel halte ich vom Deutschen Fernsehprogamm ohnehin nicht, aber dass es wirklich so schlimm ist wird einem erst bewusst wenn man sozusagen gezwungen ist Fernsehen zu konsumieren. Andererseits habe ich auch Dinge gesehen, die ich evtl. verpasst hätte. Hervorzuheben ist eine Sendereihe auf Arte: Durch die Nacht mit… Eine ziemlich interessante Sendung, in der zwei mehr oder weniger bekannte Prominente einen Abend gemeinsam gestalten und dabei passiv von der Kamera beobachtet werden. Ich habe eine ältere Sendung gesehen mit dem Sänger Henry Rollins und der iranischstämmigen Künstlerin Shirin Neshat. Unglaublich schön, wie man durch so ein einfaches Konzept so viel über Menschen erfahren kann. Sehr empfehlenswert.
Auch wenn ich zugeben muss, dass es teilweise etwas peinlich für Herrn Rollins wird.

Gestern stiess ich auf Premiere dann auf den Film “Finding Neverland“. Eigentlich hatte mich der Film nie interessiert, aber ich muss gestehen zu unrecht. Sicherlich ist er teilweise etwas zuckersüß und schnulzig, aber wenn man krank ist kann man sowas ganz gut ansehen. Winslet und Depp spielen sich auch wieder die Seele aus dem Leib, und ich werde so langsam tatsächlich zum Fan von Kate Winslet. Früher mochte ich sie nie (wahrscheinlich durch ihre Rolle in Titanic), aber sie ist zweifellos eine hervorragende Schauspielerin. Immerhin spielt sie in zwei meiner absoluten Lieblingsfilme mit (Eternal Sunshine of a Spotless Mind und Sense and Sensibility), da kann man sie schließlich nur mögen, oder?

Zwischenzeitlich habe ich noch drei Filme im Kino gesehen: Hot Fuzz (gesehen in London, in deutschen Kinos erst im Juni zu sehen), Babel und Notes on a Scandal.
Nun gut, drei Filme in einem Beitrag sind ein wenig viel, deshalb gibt es auch keine Inhaltsangaben sondern nur meine persönliche Bewertungen.

hot fuzzHot Fuzz ist ein recht unterhaltsamer und äußerst witziger Film. Ich bin mir jedoch jetzt schon sicher, dass er in der Synchronisation viel von seinem britischem Humor einbüßen wird. Ich habe herzlich gelacht, und der Film hat das Zeug zum Kassenschlager zu werden. Leider nimmt er in der letzten halben Stunde eine Wendung die ich als “Hollywoodisierung” bezeichnen würde, und die dem Film nicht gut bekommt. Gerade der Versuch der Masse auch außerhalb Großbrittanniens zu gefallen wird meiner Meinung nach das Problem sein ihn zu vermarkten. Der Film hat Charm, Witz und subtilen Humor und ist auch sehenswert, bricht aber auf der Zielgerade ein. Sehenswert: Timothy Dalton in einer Nebenrolle.

babelBabel. Ein wunderbarer Film. Auch wenn es nicht mehr so neu ist verschiedene Episoden eines Themas zu verknüpfen, und jeder zweite Film sich mittlerweile dieses Musters bedient, so ragt Babel meiner Meinung nach heraus. Und zwar gerade daurch, dass er nicht krampfhaft versucht die verschiedenen Handlungsstränge am Ende fest zusammenzufügen, sondern dass es nur ganz zarte, fragile Verbindungen zwischen den einzelnen Geschichten gibt. So wirkt jeder Plot für sich und ist nicht erst durch eine eine übergeordnete Handlung wirksam. Besonders hervorzuheben sind jedoch die schauspielerischen Leistungen. Ich habe schon lange nicht mehr so eine geballte Intensität eines Films gespürt die zum großen Teil nur durch die Schauspieler getragen wird. Jeder scheint sein äußerstes zu geben, besonders hervorzuheben sind hier Rinko Kikuchi und Adriana Barraza. In einem Theater hätte ich allein für die beiden stundenlang stehende Ovationen gegeben. Umso mehr ärgert es mich, dass sie sich bei den Oscars der “American Idol”-Verliererin Jennifer Hudson geschlagen geben mussten.
Babel ist jedoch ein reiner Kinofilm. Auf dem Bildschirm würde jeder Zauber verloren gehen, deshalb unbedingt auf einer Leinwand sehen.

noasNotes on a Scandal lebt auch von den Schauspielern. Cate Blanchett und Judie Dench machen aus einem durchschnittlichen Drehbuch einen leicht überdurchschnittlichen Film. Muss man Babel auf der Leinwand sehen, so halte ich Notes on a Scandal eher für einen Fernsehfilm, der es auf die Leinwand geschafft hat. Er ist sehenswert, aber Schwächen im Drehbuch lassen ihn schnell verhallen. Das Thema und die außerordentlichen Schauspieler haben mehr versprochen als der Film halten kann. Da hat sich der Regisseur teilweise etwas übernommen.

Hiermit melde ich mich aus der Welt der Träume zurück. Ich muss sagen sie war eindeutig spannender als die gesamte Oscarnacht. Eigentlich wollte ich heute Nacht vielmehr protokollieren, aber es fehlte an allen Ecken und Enden, und in meiner Enttäuschung hatte ich kaum Lust in die Tasten zu hauen. Ich bin noch nicht mal enttäuscht über die Vergabe der Preise, die geht im großen und ganzen in Ordnung, sondern von der Show an sich. Es fing schon an, mit der unglaublich schlechten Red Carpet Show von Pro Sieben. Steven Gätjen konnte einem fast Leid tun, aus lauter Verzweiflung dass bei ihm keine Stars stehen blieben interviewte er gleich zweimal die deutschen Oscarhoffnungen. Leider empfange ich kein E!, so dass das Warmlaufen für die Oscars entfiel. Kein “Who are you wearing?” Kein oberflächliches Geplänkel mit den Stars, nur ein Herr Gätjen, der sich den Mund fusselig redete um die starlose Zeit zu überbrücken. OK, es gab immerhin die offizielle ABC Pre-Show, aber die kommt auch nicht an den kultigen Trash von E! heran. So langweilig alles, dass wir gar nicht zum ablästern über die Outfits gekommen sind.

Dann beginnt die Show. Ein netter Einspieler mit vielen Nominierten, ganz gut mehr aber nicht. Was waren das für Knaller-Opener als Billy Crystal noch moderierte. Dann kommt Ellen, sie ist zwar recht lustig, aber irgendwie fährt sie mit angezogener Handbremse. Wenn ich bedenke wie sie die Emmys moderiert hat, dann haben ihr die Acedemy-Vorsitzenden gestern wohl vorher etwas in den Tee getan. Ehe man sich versieht sind die ersten Oscars vergeben. Pans Labyrinth legt ganz gut vor, und dann komen drei unglaublich langweilige Showacts. Ein Soundeffekt-Chor, nett aber überflüssig. Dann Randy Newman mit dem ersten nominierten Song, der so langweilig ist, dass man Angst hat er würde gleich mit dem Kopf auf die Tasten fallen weil er sich selbst hypnotisiert hat. Gleich im Anschluss trällert Melissa Etheridge ihr Lied, und es ist eine ziemlich Überraschung dass solch belanglose Lieder überhaupt nominiert sind. Frau Etheridge gewinnt nachher sogar noch, aber wahrscheinlich nur deshalb, weil sich die drei Dreamgirls-Lieder gegenseitig die Stimmen weggenommen haben.

Danach blieb es so zäh, dass ich die genau Abfolge schon nicht mehr weiß. Alle paar Sekunden wurde Jack Nickolson im Publikum gezeigt, und ich bin mir sicher er kann nicht mehr zwischen Realität und seinen Rollen unterscheiden. Die Ansager der verschiedenen Preise lesen diesmal so unmotiviert vom Teleprompter ab, dass man das Gefühl hat sie wären dazu gezwungen worden. Man wartet sehnsüchtig auf eine Überraschung, einen spektakulären Showakt, oder eine mitreissende Dankesrede. Nichts dergleichen geschieht. Die Dankesreden sind so unoriginell dass man den Gewinnern den Oscar sofort wieder entreissen möchte. Das liegt sicher auch daran, dass auch immer die Favoriten der Kategorie gewinnen, und diese davor schon ziemlich überzeugt waren zu gewinnen. Umso mehr hätte ich mir ein paar Überraschungen gewünscht, aber die einzige Kategorie wo es dann passiert, ist die der besten weiblichen Nebenrolle. Ausgerechnet hier darf Jennifer Hudson überraschen, und dabei war die Kategorie so stark besetzt. Für Rinko Kikuchi und Adriana Barraza aus Babel sicherlich ein Schlag ins Gesicht, und auch Cate Blanchet muss sich verschaukelt vorkommen. Während selbst der Niedlichkeitfaktor von Abigail Breslin den Sieg von Hudson nicht verhindern konnte. Schade.

Natürlich gönne ich Mirren, oder Whitaker den Gewinn, aber eine temperamentvolle Dankesrede von Penelope mit spanischem Akzent hätte sicher mehr Stimmung in die Bude gebracht als das brave “Danke” der Gewinner. Und wie sehr hätte ich mir einen Gewinn des wiedermal überaus sexy wirkenden Mark Wahlberg gewünscht. Wenn ich bedenke wo er seinen Anfang genommen hat, dann bin ich immer wieder erstaunt wo er gelandet ist. Aber er hätte ihn schon für Boogie Nights bekommen müssen.

Zwischendrin ging ja noch der Oscar an den deutschen Film, und wie ich schon schrieb: Es freut mich, aber Florian Henckel von Donnersmarck ist mir so unglaublich unsympathisch, dass eher Fremdschämen statt Freude bei mir einsetzte.

Der vermeintliche Höhepunkt des Abends war auch keiner. Beste Regie und bester Film wie erwartet an Departed. Und die unglaubliche Arroganz des Herrn Scorsese bei der Dankesrede vermieste einem den Abend noch mehr. Irgendwie wollte er anscheinend mitteilen, dass er bei seinen bisher erfolglosen Nominierungen hätte gewinnen müssen. Meiner Meinung nach hat er bisher zu Recht nie ganz triumphiert, ich halte seine Filme für zu glatt, durchgestylt und berechnend. Immer auf der Jagd nach der Auszeichnung. Departed habe ich noch nicht gesehen, und evtl. hat er den Oscar verdient, aber die Jahre davor war es nie unverdient nicht gewonnen zu haben.

Erwähnenswert wären evtl. noch die extreme Oberweite von Jeniffer Hudson während des Singens eines der Dreamgirls-Lieder,
die vorherrschenden langen glatten Haare der Frauen, und die schrecklich langweiligen Outfits der Damen. Einzige positive Ausnahmen: Penelope Cruz und Kate Winslet.

Nun ja, nächstes Jahr kann es nur besser werden.

So, die wirklich langweiligste Oscarnacht aller Zeiten ist zu Ende. Eigentlich keine Überraschung, keine guten Reden, keine gute Show. Ellen durfte nichts von ihrem Können zeigen, und Babel hat gerade mal einen Oscar. Die wirklich interessanten Stars schienen es bereits vorher gewußt zu haben, sie waren gar nicht erst vor Ort.

Ich setze jetzt mal Kaffee auf, sonst machen wir noch schlapp. Dieses Jahr ist die Verleihung extrem träge. Immerhin gab es in der Kategorie originales Drehbuch eine kleine Überraschung als der Oscar an “Little Miss Sunshine”" ging.
Auch scheinen lange glatte Haare der Modetrend für den weiblichen Hollywoodstar in diesem Jahr zu sein.