Archives for category: Filme

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Hunger ist der Handlanger des Genies.
Mark Twain

Freitagabend hat es Hunger endlich in Köln auf die Leinwand geschafft. Es war vermutlich eines der intensivsten Kinoerlebnisse der letzten Zeit. Auch wenn mittlerweile drei Tage vergangen sind, ist es nicht einfach seine Gedanken zu ordnen und etwas über den Film zu schreiben. Um es mit meinem lieben Kinobegleiter und dessem liebstem Begleiter zu sagen: “Ein echt krasser Film”.

Der Film hat als Grundlage die Geschichte des Hungerstreiks des IRA-Terroristen Bobby Sands. Aber es ist viel mehr als ein Film über eine wahre Begebenheit, es ist ein Kunstwek, eine Anklage, eine philosophische Fragestellung, eine Ästhetisierung der Gewalt und gleichzeitig ihre Verurteilung. Es ist die künstlerische Auseinandersetzung mit Terror und Staatsterror und ein intensives Statement zur Gewalt gegen andere und sich selbst.

Jegliche normale Filmbesprechung würde dem Charakter des Films nicht gerecht, deshalb gibt es nur ein “besonders Empfehlenswert” von mir, und 10 von 10 Punkten.

[imdb]0986233[/imdb]

ggggggulp

Wenn man argwöhnt, dass einer lüge, stelle man sich gläubig: Da wird er dreist, lügt stärker und ist entlarvt.
Arthur Schopenhauer

Schnell ein paar Worte zum Film Horst Schlämmer – Isch kandidiere. Ich halte Hape Kerkeling ja für einen der besten Entertainer im deutschen Sprachraum, auch wenn er mittlerweile etwas überpräsent ist. Deshalb bin ich am Wochenende doch in seinen Film gegangen, auch wenn ich eine mittlere Katastrophe erwartet habe.

Ganz so schlimm kam es nicht, aber fast. Der Film hat ein paar gute Momente, und dies sind fast alle Interviews mit realen Politikern. Kerkeling alias Schlämmer schafft es, dass sie sich alle selbst disqualifizieren, ohne sie dabei in die Ecke zu drängen oder sich abwertend zu verhalten. Das Entlarven überlässt er ihnen selber, in dem Rüttgers und Co versuchen locker und witzig zu wirken und sich auf gleiche Ebene mit Schlämmer stellen wollen. Fremdschämen ist angesagt, besonders bei Frau Akgün und Herrn Rüttgers. Die einzige die in diesen Szenen gut abschneidet ist die Kanditatin der Linken.
Und das war es dann leider schon, statt auf das Konzept der Realsatire zu setzen wird eine hanebüchene Story drumherum gestrickt die nur in Ansätzen komisch ist. Zwei dicke Fehlbesetzungen mit Simon Gosejohann und Alexandra Kamp machen da zusätzlich einiges kaputt. Wenn Herr Schlämmer er selbst sein darf, oder wenn Kerkeling Frau Merkel, Herrn Pofalla und Ulla Schmidt parodiert, dann flackert noch mal der Witz auf. Aber der Rest ist eine Qual des Humornervs. Das Potential was der Film als Politsatire gehabt hätte, wird durch das Drehbuch geschwächt und weitesgehend zerstört. Und Wenn Herr Schlämmer am Ende in den Ferrari von Michael Schumacher steigt weiß man: Das untere Ende ist erreicht.

Der reale Wahlkampf ist witziger und origineller als der Film, und wenn man dies von diesem Wahlkampf behaupten kann, dann ist dies wahrlich kein Qualitätssiegel für den Film.

[imdb]1462050[/imdb]

gei

Alles Gute kommt von oben.
Bibel

Gestern Abend war wieder mal Orignal-Sneak-Preview-Zeit, und irgendwie war es vorher schon klar, dass der neue Pixar-Film Up (zu deutsch “Oben”) zu sehen sein wird. Die Trailer waren recht vielversprechend, und ich freute mich bereits darauf ihn zu sehen.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Der alte Mr. Fredricksen will nach dem Tod seiner Frau ihren gemeinsamen Lebenstraum von einer Südamerika-Expedition verwirklichen. Dazu bindet er unendlich viele Heliumballons an sein Haus und nutzt es als Fahrzeug um seinem Ziel näher zu kommen. Mit dabei ist der Pfadfinder Russell, der sich zufällig zum Zeitpunkt der Abfahrt auf der Veranda befand. Die beiden machen sich also auf nach Peru um dort unfreiwillig eine Menge Abenteuer zu erleben.

Das Ergebnis ist zwiegespalten. Leider kranken die letzten Pixar-Filme daran, dass sie sehr gut starten, aber dann in der zweiten Hälfte des Films erstaunlich schwächeln. Das war bereits bei Wall-E so, wo ich mir den Mut gewünscht hätte den Film ohne verbale Kommunikation fortzuführen, und dies ist leider auch bei Up so. Anfangs wird hier nämlich Genre-Untypisch eine sehr emotionale Geschichte einer großen Liebe und deren Verlust gezeigt. Eher leiser Humor mit einer Menge rührender Momente und dem kritischen Thema unseres Umgangs mit alten Menschen. Wirklich sehr schön umgesetzt und interessant dies in einem Animationsfilm zu sehen. Leider wurde dann das Drehbuch aber unter Marketinggesichtspunkten weitergeschrieben, denn von dem Charme der ersten halben Stunde ist es spätestens mit dem Erscheinen der “sprechenden” Hunde vorbei. Hier versucht man es wieder allen Zielgruppen gerecht zu machen. Es wird Kindgerechter und das setzen die Filmemacher gleich mit “albern”. Es wird Massentauglicher, und dies wird durch übertriebene Action erreicht. Ich finde es äußerst schade, denn meiner Meinung nach bedarf es weder alberner Vögel noch niedlich erscheinende sprechende Hunde um einen Film Kindgerecht zu machen. Traut der Jugend und unseren Kindern doch mal etwas zu. Der Pfadfinder Russell hätte als Identifikationsfigur ausgereicht. Der Film wäre Familientauglicher gewesen.

Stattdessen quält man sich als halbwegs erwachsener Mensch spätestens ab der Hälfte des Films mit Albernheiten und langweiliger Action. Nur ab und an gibt es noch ein Schmunzeln, als zum Beispiel Russell quietschend an den Scheiben des Blimps entlanggezogen wird. In diesen Momenten wird man dann daran erinnert wie gut der Film hätte werden können, wenn die Erzählstruktur des Anfangs beibehalten worden wäre. Meine Lieblinsszene aus der ersten Hälfte: Minutenlange Einstellung wie Mr. Fredricksen mit dem Treppenlift abwärts fährt.

Ich werde mir angewöhnen müssen in Pixar-Filmen nach der Hälfte des Films das Kino zu verlassen, dann hätte ich einen guten Kinoabend.
Erstaunlich fand ich übrigens auch, dass es in dem Trailer Szenen gibt, die im Film nicht auftauchen. Was ich sehr bedauerlich finde, denn diese Szenen hatten eher den Flair der ersten Hälfte.

[imdb]1049413[/imdb]

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Unser reales Leben ist, wenn die Leidenschaften es nicht bewegen, langweilig und fade; wenn sie es aber bewegen, wird es bald schmerzlich.
Arthur Schopenhauer

Am Samstag stand endlich der neueste Film von Almodóvar auf dem Programm, nach einer Irrfahrt durch die Kölner Innenstadt, weil ausgerechnet am Samstagabend ein Kino die Hauptvorstellung ausgesetzt hatte. Die Erwartungen bei Almodóvar sind natürlich groß, und Penélope Cruz in der Hauptrolle schraubte diese noch höher.

Die Handlung ist mal wieder recht komplex, deshalb nur ein kurzer Abriss:
Der Regisseur Mateo Blanco (Lluís Homar) trifft bei einem Casting auf die wunderschöne Lena Rivero (Penélope Cruz). Mit ihr findet er nicht nur die Hauptdarstellerin für seinen neuen Film „Frauen und Koffer“, sondern auch seine große Liebe. Lena ist allerdings mit dem älteren Finanztycoon Ernesto Martel (José Luis Gómez) liiert. Der wesentlich ältere Ernesto produziert den Film, und lässt dabei seinen Sohn (Rubén Ochiandano) unter dem Vorwand eines Making Ofs jeden von Lenas Schritten mit der Kamera festhalten.
Viele Jahre später lebt der erblindete Mateo unter dem Pseudonym Harry Cain als Drehbuchautor in Madrid. Er wird dabei unterstützt von seiner treuen Agentin Judit (Blancs Portillo) und ihrem Sohn Diego (Tamar Novas). Die Vergangenheit holt ihn wieder ein, als er von Martels Tod erfährt, und dessen Sohn ihn darauf hin mit einer Bitte aufsucht.
Der Film springt in der Erzählung zwischen den beiden Jahren 1994 und 2008 hin und her, um die unterschiedlichen Handlungsstränge aufzulösen.

Trotz der komplexen Verwicklungen wirken die Geschichten jedoch seltsam fade. All die unterschiedlichen Charaktere, all die Verstrickungen und Abhängigkeiten, all das hat Almodóvar schon viel besser hinbekommen. Die Geschichte ist erstaunlich vorhersehbar, und sein Markenzeichen, die überspitzen überzeichneten Slapstikartigen Einwürfe fehlen komplett, bzw. tauchen nur in dem Film im Film auf (also in den Szenen von “Frauen und Koffer”, welche stark an “Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs” erinnern). Glanzmomente setzt der Film in der Kameraführung. Der Film ist außerordentlich schön fotografiert. Die Bilder trösten über die Schwächen in der Erzählung hinweg, können sie jedoch leider nicht ganz auffangen. Es ist kein schlechter Film, aber ein schlechter Almodóvar. Da kann auch eine Cruz oder ein sehr gut spielender Lluís Homar nicht drüber hinwegtäuschen. Insgesamt wirkt alles zu gewollt, all diese Zitate anderer Filme (einschließlich eigener), die konstruierten Beziehungen und die verschachtelten Zeitsprünge.

Am Ende bleibt ein Film den man recht schnell vergisst, und den man mit dem Gefühl verläßt, dass man lieber “Frauen und Koffer” gesehen hätte.

[imdb]0913425[/imdb]

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Auch für Freude gibt es einen Rhythmus.
Johann Christoph Friedrich von Schiller

Das Sommerloch soll endgültig gestopft werden, jeden Falls wenn es nach meinem lieben Freund Endgültig geht. Die Idee ist, dass man einen Beitrag zu einem bestimmten Thema schreibt. Das Thema lautet: Filmmusik

Nun, auch wenn ich mich momentan nicht in einem Sommerloch befinde, und ich täglich mit Kartons ein- und auspacken zu tun habe, so möchte ich mich dennoch nicht der netten Idee entziehen.

Die Assoziationen und Ideen zu dem Thema kamen schnell, allerdings ist es auch etwas weit gefasst, so dass es viel zu viele Gedanken gab. Einige davon wurden bereits von Anderen behandelt, und anderes wiederum würde zu viel Stoff für einen einfachen Blogeintrag bieten. Deshalb lasse ich nun lange Abhandlungen über den Unterschied von Soundtrack und Score (siehe dazu hier). Auch eine der beliebten Bestenlisten gibt es hier nicht, denn damit tue ich mich generell schwer.

Hier soll es speziell um eine Filmmusik gehen, und zwar die zum Film Jackie Brown. Eine Wahl die vermutlich seltsam anmuten mag. Der Film ist zwölf Jahre alt, steht im Ranking der Meisten vermutlich nicht ganz weit oben, und auch die Filmmusik (und um die soll es ja gehen) kommt einem nicht sofort in den Sinn. Warum also diese Musik?
Jackie Brown war Tarantinos lang ersehnter Nachfolgefilm nach Pulp Fiction. So hochgejubelt und kommerziell erfolgreich wie Pulp Fiction war, konnte der Film danach nur einen schweren Stand haben. Er fiel zwar nicht komplett durch, aber die Ansprüche bei Publikum und Kritikern waren hoch. So auch bei mir.
Es ist kein Meisterwerk geworden, aber ich mag den Film sehr, und das liegt eben auch an der Filmmusik.
Tarantino schafft es nämlich dem Film einen eigenen Rhythmus zu verleihen der sich in der gewählten Musik widerspiegelt. Es ist der Rhythmus eines heißen Sommerabends, ein gewisser Groove der locker, aber dennoch ein wenig träge ist. Aufgeregt von den Geschehnissen des Tages, aber dennoch bereits in der Entspannung befindlich.

Nein, eigentlich ist es nicht meine Musik, und es sind auch nicht gerade Glanzstücke der Musikgeschichte, aber in Kombination mit dem Film verbreiten sie eine unglaublich warme angenehme, ja fast schon Geborgenheit erzeugende, Stimmung. Und ich würde fast behaupten ohne die Filmmusik wäre der Film sehr wohl durch das Raster gefallen. Aber so scheint es, als ob Tarantino zu der Musik genau die richtigen Bilder gefunden hätte. Es ist der Groove der 70er, der mir hier einen Film zum Genuss machte. Filmmusik als Katalysator könnte man sagen; die Geschichte, die Handlung die Stimmung wird perfekt von der Filmmusik verstärkt und ergänzt.
Deshalb ist für mich die Filmmusik zu Jackie Brown ein perfektes Beispiel für die gelungene Verzahnung von Film und Musik.

Ohne diesen Film würde ich die dort verwendete Musik vermutlich nicht hören, aber der gezielte Einsatz schafft es, dass sich bei mir ein bestimmtes Gefühl beim Hören des Soundtracks einstellt. Ein sehr schwer zu beschreibendes Gefühl, aber es ist äußerst positiv.