4März

Gelernt

bagguette

Um Gutes zu lernen, genügen tausend Tage nicht; um Schlechtes zu lernen, ist eine Stunde bereits zuviel.
Aus China

Der vermutlich letze Kinogang vor den diesjährigen Oscars führte mich in An Education.

Jenny (Carey Mulligan) ist eine 16-Jährige Teenagerin in einem Vorort von London im Jahre 1961. Sie ist neugierig, talentiert und auf der Schwelle zum Erwachsensein, dennoch noch ein wenig gefangen in jugendlicher Unschuld und Naivität. Sie lernt fleißig und gehorsam auf ihrem Weg zu einem Oxford-Studium, träumt jedoch gleichzeitig davon in Paris zu leben und sich der Künste und Kultur zu widmen. Die Balance zwischen dem behäbigem, etwas langweiligen Leben und dem glamourösen Traum gerät ins Wanken, als sie den mit 30 Jahren wesentlich Älteren David (Peter Sarsgaard) kennen und lieben lernt. Der Lebemann entführt Jenny in Konzerte, Jazzclubs, nächtliche Dinner und schlussendlich zu Wochenendausflügen außerhalb der Stadt, sogar bis nach Paris. Selbst Jennys Eltern verlieren bald ihre anfängliche Skepsis an dem doppelt so alten David und verfallen recht schnell seinem unwiderstehlichen, weltmännisch wirkenden Charme. Selbst der Zuschauer kann sich dem Charme nicht entziehen, auch wenn es bereits besser wissen sollte.

Die Auswirkungen lassen nicht lange auf sich warten, Jenny vernachlässigt die Schule immer mehr, und das Ziel Oxford verliert sich aus den Augen. David ist lustig, aufmerksam, ein wenig gönnerhaft und kümmert sich liebevoll um Jenny. Er scheint ein ernsthaftes Interesse zu haben und drängt sie zu nichts. Unter seine Obhut blüht Jenny auf.

Wohin der Film führt kann man evtl. erahnen, soll jedoch hier nicht weiter vorweg genommen werden.

Lone Scherfigs (Wilbur Wants To Kill Himself, Italienisch für Anfänger) gelingt hier nach Vorlage von Nick Hornby ein recht ansprechendes Drama in Grundzügen eines Coming-of-Age-Films. Getragen wird der Film besonders von den zwei außerordentlichen Hauptdarstellern. Während Peter Sarsgaard schon ein wenig bekannter ist, und er hier eine wirklich überzeugende Leistung des aalglatten Lebemanns abgibt, ist Carey Mulligan sicher die Entdeckung des Films. Mit welcher Brillanz sie der 16-Jährigen Jenny Leben einhaucht, wie sie den schmalen Grat zwischen Naivität, Frühreife und jugendlicher Rebellion meistert, das ist schon mehr als eine Glanzleistung. Da auch die Nebendarsteller gut besetzt sind und ihnen interessante Charakterbilder auferlegt wurden, wiegt es auch nicht ganz so schwer, dass der Film am Ende ein wenig schwächelt. Das Ende hätte gerne ein Stück weit offener gestaltet werden können, so dass man nicht mit einer moralischen Belehrung konfrontiert wird, die etwas zu sehr in den Mittelpunkt rückt.

Ansonsten ist der Film nämlich getragen von einer traumhaften Atmosphäre die teilweise märchenhafte Züge zeigt, jedoch ohne jemals zuckersüß und entrückt zu wirken.
Ein wunderschöner unterhaltsamer Film, der vor allem durch Atmosphäre und schauspielerischer Leistung zu überzeugen weiß. Auch ein gutes Beispiel wie man aus einer relativ unspektakulären Geschichte dennoch einen ansprechenden Film machen kann. Nicht perfekt und auch mit ein paar Schwächen insbesondere zum Ende, aber ein sehenswerter Film.

[imdb]1174732[/imdb]

2Februar

Güldener Junge

guhlg

Deine Aufgabe ist, die Rolle, die dir zuerteilt wurde, gut zu spielen; die Auswahl der Rolle steht einem andern zu.
Epiktet



Die Oscarnominierungen wurden heute verkündet. Eigentlich keine einzige Überraschung dabei. Hier also die Liste mit ein paar wenigen Anmerkungen meinerseits.

(Mehr lesen)
2Februar

Gerendert

lego

Die Phantasie ist das Auge der Seele.
Joseph Joubert

Ein paar Worte zu den letzten beiden Kinogängen. Auf dem Programm stand A Serious Man und Avatar (in 3D). Detaillierte Besprechungen folgen heute nicht, denn zum ersten Film hat mein Kinobegleiter bereits ausführlich geschrieben, und zu Avatar gibt es so viel Material, dass ich nicht auch noch eine Zusammenfassung schreiben muss.

Also eher ein paar persönliche Worte und Ergänzungen.
Man sitzt erwartungsfroh im Kino, und als der Film beginnt hört man nur Jiddisch und ist für ein paar Minuten etwas verwirt. Ist man evtl. im falschen Kinosaal gelandet? Da sich mehr als die Hälfte der Besucher fragend umsieht beginnt man zu entspannen: OK, scheint richtig zu sein. Und nach dem Prolog auf Jiddisch beginnt dann nach einigen Minuten ein wahres Meisterwerk in Coen-Manier.

Ich mag ja diesen Humor und die skurilen Charaktere der Coen-Filme sehr gerne, und A Serious Man ist wieder voll davon, dass es eine Freude ist. Von der Machart erinnert er stark an Barton Fink der mal wieder den Weg in meinen DVD-Player finden könnte. Alleine das Zahnarzt-Gleichnis ist so großartig, dass es einem ein breites Lächeln ins Gesicht zaubert wenn man nur dran denkt.

Schauspielerische Leistungen, Kamera und Drehbuch sind wirklich vom feinsten, und so langsam warte ich auf einen Coen-Film der mich mal richtig enttäuscht. Seltsam ist jedoch das vollkommen abrupte Ende des Films, welches das Publikum dann doch etwas ratlos zurücklässt. Allerdings nicht in dem Maße, dass man sich zu sehr ärgert, denn dafür ist der Film zu gut. Man muss halt nur danach ein wenig die nähere Bedeutung der Geschichte intensiver erforschen, falls man das nicht bereits vorher getan hat, oder man zu den Menschen gehört die sofort die Verbindung zu Hiob herstellen können. Ich oute mich, dass ich auf Anhieb nicht verstanden habe was die nähere Bedeutung des Films ist. Aber die Geschichten sind so unterhaltsam und gut, dass es meiner Beurteilung keinen Abbruch tut.
A Serious Man – 9 von 10 Punkten

Das bringt mich zu Avatar. Hier wieder ein Outing: Ich habe ein sehr schwieriges Verhältnis zu Fantasy-Filmen, und wenn man Avatar auch nicht ganz diesem Genre zuordnen kann, so habe ich doch sehr gezögert hineinzugehen. Letzendlich war es die 3D-Fassung die mich gelockt hat, und die Tatsache den wahrscheinlichen Abräumer bei den Oscars vorher zu sehen, um mir ein Urteil bilden zu können.

Der Punkt 3D hat mich überzeugt. Sehr interessantes neues Erlebnis und definitiv cool. Auch die Renderings sind mittlerweile in einem Stadium angekommen, wo man als Zuseher Schwierigkeiten bei der Beurteilung der Realität bekommt.
Der Rest hat mich dann allerding nicht postiv überraschen können. Ich muss zugeben dass ich mich fast ausnahmslos gelangweilt habe. Ich weiß, dass es mein persönliches Problem ist, und ich halte den Film auch nicht für schlecht, aber mir persönlich fehlt einfach zu viel um den Film für mich zu einem Genuss zu machen. Schöne Renderings und Landschaften halten mich einfach keine knappe drei Stunden im Sitz. Die Geschichte und die Charaktere sind mir einfach viel zu flach. Da fehlt jegliche Tiefe, so dass sich bei mir einfach kein Interesse für irgendeine der Figuren entwickelt. Kein Witz, kein Esprit in den Dialogen, kein Freiraum mehr für Phantasie.

Sicher, es ist ein modernes Märchen, und die Geschichten von Märchen sind selten originell. Aber gerade deshalb finde ich es wichtig wie die Geschichte erzählt wird, und da sticht, meiner Meinung nach, Avatar nicht gerade besonders heraus. Mir verlässt er sich zu sehr auf die schönen Bilder und Figuren.

Überzeugt hat mich der Film nicht, und meine Vorbehalte gegenüber dem Genre sind geblieben. Dennoch verstehe ich ansatzweise warum der Film so erfolgreich ist.
Von mir dennoch nur 6,5 Punkte von 10 für Avatar.

16Januar

16 von 2009

Silvester in Wien war das komplette Gegenteil zum Jahreswechsel dort vor sieben Jahren: Unromantisch, laut, chaotisch, billig und die reinste Feuerwerksschlacht. Gegner waren Macho-Italiener und Neureichen-Russen. +++ Pünktlich zum Jahreswechsel melden sich meine Leisten um mich an mein Alter zu erinnern. +++ 16 Tage und noch kein einziges Mal im Kino, und die Oscars nahen. +++ 3910 gespielte Titel bei lastfm +++ Die Entdeckung von guten Hörbüchern erweckt eine neue Lust am lesen +++ Für Freunde einen Laptop mit Windows Vista herrichten hat zur Folge dass ich mein MacBook noch mehr schätze +++ Die Himmelsbilderserie ist vorerst beendet +++ Mein iPod stößt langsam an die Kapazitätsgrenze +++ Unser Balkon war ganze zehn Tage mit Schnee bedeckt +++

Ein paar Worte zu den letzten Kinofilmen die ich in der letzten Zeit gesehen habe:

Juno war überraschend als bester Film bei den diesjährigen Oscars nominiert, und hat allein in den USA mehr als 140 Millionen Dollar an Einspielergebnis gebracht. Vermutlich liegt der Erfolg daran, dass der Film das Thema Teenagerschwangerschaft weder als Vorlage für ein Betroffenheitsdrama noch als Klamauk missbraucht. Mit intelligenten humorvollen Dialogen gelingt ein nettes Stück Kino. Mehr allerdings auch nicht. Mir hat er wirklich Spaß gemacht, aber wenn man ihn mit erfolgreichen Independent-Filmen der letzten Jahre wie z.B. Sideways oder Little Miss Sunshine vergleicht, dann bleibt er doch ein Stück weit zurück. Die Oscarnominierung finde ich da evtl. doch ein wenig zu viel des Guten.

Caramel ist ein kleines Kinojuwel aus dem Libanon. Zentrum des Films ist ein Schönheitssalon mit dem Namen “Si Belle” in Beirut. Hier treffen fünf Frauen mit den unterschiedlichsten Alltagsproblemen aufeinander. Damit ist eigentlich schon die Handlung des ganzen Films umrissen, und genau das macht ihn so wunderbar. Hier werden keine großen Geschichten erzählt, sondern die kleinen Dinge des Lebens thematisiert, so wie sie auf der ganzen Welt zu finden sind.
Mehr will ich dazu nicht schreiben, einfach ansehen und genießen.
Einen schönen Nebeneffekt hat der Film auch noch: Er gibt dem Wort “Libanon” seine menschliche Seite zurück.

Zu No Country for Old Men wurde schon viel geschrieben, und er hat eine Vielzahl von Preisen bekommen. Ein wirklich sehenswerter, fast perfekter Film. Trotzdem wird er nicht mein liebster Coen-Brüder-Film werden. Vermutlich liegt es daran, dass er mir schon fast zu perfekt ist, und dass die Grundstimmung einfach extrem düster ist. Fargo z.B. wirkt da ein wenig verdaulicher.
Dennoch wird NCfOM sicher ein Klassiker und ist allein deswegen ein Muss für jeden Kinoliebhaber.