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Es ist schon fast wieder ein Monat her als ich Charly Wilson’s War gesehen habe. Ich will trotzdem ein paar Zeilen zu dem Film schreiben. Das Thema Afghanistan ist momentan populär im Kino. Der Krieg des Charly Wilson ist jedoch leider bezüglich des Themas ein ziemlich schwacher Film.
Handwerklich gibt es nichts auszusetzen, und Tom Hanks und Philip Seymour Hoffman agieren gut bis sehr gut. Aber als Satire versagt der Film völlig. Es gibt äußerst gute Satiren über den Krieg, Charly Wilson’s War jedoch ist eine seichte Komödie welche die Gratwanderung nicht schafft und so das Thema letztendlich sehr verharmlost. Klassische Musik zu brutalem Abschlachten der Afghanischen Bevölkerung, und eine Feel-Good-Stimmung nach Art von Oceans Eleven und verstümmelte Kriegskinder wollen zumindest in meinem Kopf nicht recht zusammenpassen. Viele Kritiken beschreiben den Film als gutes Unterhaltungskino und scharfe Politsatire. Die Ebene des Unterhaltungskinos beherrscht der Film sehr gut, und hierfür bekommt er von mir auch eine gute Wertung. Als Politsatire kann ich den Film jedoch nicht werten, dafür reichen ein paar kritische Sätze am Ende des Films nicht aus. Ich erwarte keine überkritische Auseinandersetzung, aber eine Satire lebt von Übertreibung, Parodie und Ironie. Charly Wilson’s War ist eher verharmlosend und zu unkritisch.

Mein Vater hat angefangen seine Biographie für uns Kinder und Kindeskinder niederzuschreiben. Es ist eine schöne Sache, da ich immer schon das Gefühl hatte sehr wenig über die Geschichten unserer Eltern zu wissen. Besonders wichtig empfinde ich Erzählungen aus dem Krieg, denn so langsam werden Zeitzeugen rar und der Krieg in den Nachrichten verliert auf Dauer den Schrecken. Und obwohl man sich der deutschen Schreckensherrschaft bewusst ist, so wird man doch sprachlos wenn man über Abschnitte wie den Folgenden stößt:

Während die andern Klassenkameraden zum Dienst der Flak “Fliegerabwehrkanone” gingen, wurde ich zum Dienst ins Kinderlandverschickungslager beordert. (…) So wurden wir in ein Hotel namens Schweizerhaus verlegt. Aber auch da blieben wir nicht lange, denn von Jugoslawien kam die Front immer näher. Also kamen wir nach Weichsel. Wir bekamen aber von der Führung einen Brief mit der Bemerkung “Nur bei Gefahr öffnen”. Es war Weihnachten 1944.
Plötzlich kam einer der Jungen in Saal und sagte: “Schaut einmal auf den Himmel, wir haben Wetterleuchten.” Was wir allerdings sahen war das Geschützfeuer der Russen. In dem Ort waren noch viele andere Lager. So berieten wir uns was wir machen sollten. Zunächst öffnete einer den Brief. Was darin stand versprach nichts Gutes: Wir sollten alle Kinder vernichten, damit sie nicht in die Hände der Russen kommen würden.

Der Krieg ist angekommen in der deutschen Presse. Wurde bisher eher von Konflikt oder Krisengebiet gesprochen, während die ausländische Presse bereits den Begriff ‘War’ benutzte, so fasst das Schlagwort Libanon-Krieg nun auch in deutschen Gazetten Fuß. Die Zurückhaltung der deutschen Presse deute ich als Zwiespalt in der Bewertung Israels. Deutsche haben auf Grund der Vergangenheit deutliche Probleme mit Äußerung politischer Meinungen zum Theme Israel. Sicherlich ist da auch Vorsicht geboten, und der Begriff Krieg hätte da vorschnell Stellung bezogen. Denn das Wort Krieg verlangt nach einem Aggressor, und den könnte man schnell in Israel sehen.

Ich finde die Zurückhaltung jedoch unangebracht, denn sonst wird in der Presse mittlerweile alles andere auch schnell mit Superlativen belegt, und jede noch so kleine Krise wird zum Terror, nur weil sie sich so medientechnisch besser vermarkten läßt. Und die Furcht sich teilweise Israelkritisch zu äußern empfinde ich als journalistisch unprofessionell. Es ist die Furcht für oder gegen eine Kriegseite zu sein. Und jeder Journalist sollte wissen dass es kein für oder gegen eine Kriegseite gibt, sondern nur eine gegen Krieg.

Nach meinem empfinden ist dies kein neuer Krieg. Der Krieg zwischen Israel und der Hisbollah ist nur dramatischer geworden. Er existiert schon seit langem, wirkt sich aber jetzt auch auf andere Staaten aus.
Für dieses Ausbreiten (welches hoffentlich noch zu stoppen ist) mache ich in erster Linie einen Umstand verantwortlich: Das fehlen jeglicher diplomatischen Fähigkeiten der Regierung Bush.
Herr Bush und seine Außenminister haben es geschafft sich aller diplomatischer Möglichkeiten zu berauben die sie hatten, und ein (zugegebenermaßen labiles) Gleichgewicht vollkommen zu zerstören. Ich wage zu behaupten dass es uns um Jahrhunderte zurückwirft. Man kann zu den vorherigen Präsidenten der USA stehen wie man will, aber die meisten hatten wenigsten begriffen, dass man Chirurgie nicht mit dem Metzgerbeil betreiben kann. Ausnahme war der Vater des Diplomatieidioten, aber der hatte glücklicherweise nicht solange Zeit soviel anzurichten.

Das Üble an der Sache ist, dass noch nicht einmal Lernfähigkeit vorhanden ist. Frau Rice und Herr Bush stehen sprachlos vor dem offenem Patienten und statt auf erfahrene Chirurgen zu hören hacken sie munter weitere Organe ab, sie werden schon irgendwann das richtige treffen auch wenn der Patient dann schon längst tot ist.

Zu dem Thema noch ein Artkel eines Gastautors in der SZ: “Für die Toten ist nur die Hisbollah verantwortlich”. Genau diese Schwarzweiß-Weltansicht der USA wird dazu führen dass es im Nahen Osten so schnell keinen Frieden geben wird. (Dieser Artikel treibt mir so sehr die Galle hoch, dass ich da lieber zu einem späteren Zeitpunkt etwas zu schreibe, sonst werde ich auch noch zum Aggressor)

Übrigens mein UNwort dieser Tage: Befriedung – warum muss ich da immer an Friedhof denken?