18Oktober

Konjunktiv

  • Müsste ich mit der Bahn zur Arbeit, wäre meine Geduld mit den Streikenden am Ende.
  • Würde mich jemand zu der geplanten Strompreiserhöhung fragen, so würde ich antworten: “Abgesehen davon ob sie gerechtfertigt ist oder nicht, warum nehmen wir sie nicht zum Anlaß endlich ernsthaft über unseren überdimensionierten Stromverbrauch nachzudenken? Wechseln tue ich nicht, ich bin schon bei Lichtblick.”
  • Müsste der geplante EU-Vertrag nicht “der Wille Polens” heißen, und nicht “Kompromiss”, sollte er heute wie geplant unterzeichnet werden?
  • Würde mein Mac Os Tiger nicht so reibungslos laufen, würde ich mir den Leoparden bestellen.
  • Wäre ich nicht gestern erst im Kino gewesen, so würde ich heute in Lust, Caution gehen.
14September

Abtreten

Wenn eine Eva Herman wegen ihrer Äußerungen zu Recht ihre Anstellung verliert, dann sollte ein gewisser Kardinal aus Köln so schnell wie möglich sein Kündigungsschreiben erhalten. Seine Wortwahl war schon länger grenzwertig, aber in dem er in seiner Rede zur Einweihung des Kunstmuseums des Erzbistums Köln folgenden Satz fallen lässt: „Dort, wo die Kultur vom Kultus, von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kultus im Ritualismus, und die Kultur entartet.“ überschreitet er jede Grenze.
Da erübrigt sich auch jeder weiterer Kommentar. Die katholische Kirche könnte nun zeigen, dass sie nicht nur ein Hort für rechtsgerichtete Ewiggestrige ist, und dem Kardinal die rote Karte zeigen. Wenn man von den hohen muslimischen Geistlichen fordert, dass sie sich öffentlich gegen die fundamentalistischen Tendenzen in ihrer Religion aussprechen sollen, dann kann man gleiches auch von der katholischen Kirche erwarten. Und solche Sätze wie sie Herr Meißner heute geäußert hat sind die Saat für Rassismus und Fundamentalismus.

2August

Heiße Luft # 2

Och ja doch: Brücke eingestürzt und schon wieder “kein Hinweis auf einen Terroranschlag”.

Langsam sollten mal wieder Bomben explodieren, sonst gehen den Journalisten die Themen aus. Oder, war da was im Irak?

19Juli

Heiße Luft

23706Es nervt. Sobald in unserer westlichen Welt ein Gasrohr platzt, ein Flugzeug verunglückt oder der Strom ausfällt, fällt in den Medien der Satz: “Nach ersten Informationen handelt es sich um keinen Terroranschlag.” Warum muss dies immer wieder extra betont werden? Schon vor 2001 gab es leider tragische Unfälle in unserem Leben, und dies hat sich seither nicht verändert. Man beugt sich doch gerade dem Terror, wenn man in jedem Ereignis einen Bezug zum Terror sucht und danach dementieren muss. Diese ständige Jagd nach der sensationellen Nachricht macht zuerst jeden ungewöhnlichen Unfall (auch wenn er für die Betroffenen sehr tragisch ist) zu einem potentiellen Terroranschlag. Um die banale Nachricht im nachhinein zu rechtfertigen, wird später immer betont dass es sich glücklicherweise (wie zynisch den Opfern gegenüber) nicht um einen Terrorakt gehandelt habe. Mit dem Dementi wird jedoch immer ein Bezug zum Terror hergestellt, in dem man ihn ausschließt. Da wird stundenlang live aus New York von einer, zugegebenermaßen tragischen, Dampf-Explosion berichtet, obwohl relativ schnell klar war dass es sich um einen Unfall im Versorgungssystem handelte. Nein, der Terror ist eben nicht allgegenwärtig, so wie es uns die Medien und ein übereifriger Schäuble weismachen wollen. Unser westliches Leben ist allgegenwärtig von Unfällen und Schicksalsschlägen. Und ich wage die Behauptung, dass unser Leben immer unsicherer wird, weil die technische Sicherheit zu ungunsten der vermeintlichen Sicherheit gegen Terror vernachlässigt wird.
Während in New York ein Dampfleitung platzt gehen in Bagdad im Wochentakt die Bomben hoch. Erklärt einem Iraker mal was es heißt in ständiger Angst vor dem Terror zu leben. Ich hier in Köln muss jede Minute damit rechnen, dass ein Anschlag auf mein Leben stattfindet. Deshalb ist es auch gerechtfertigt wenn die Reporter bei jedem Autounfall eine Livesendung starten, um zu betonen dass es diesmal kein Terrorakt war.

Ein paar Nachträge zum Wochenende:
Glücklicherweise hatte der Regen ja mal eine Pause eingelegt, und deswegen ging es Samstag wie angekündigt zur Rheinkultur nach Bonn. Es war eine Reihung von Unterschätzungen. Als erstes die Fahrtzeit falsch eingeschätzt, bzw. die Überlastung des ÖPNVs nicht einkalkuliert. Der Auftritt von Lambchob war bereits vorbei als wir ankamen. Zweitens die Besuchermassen unterschätzt. Wer konnte ahnen, dass diesmal ein neuer Besucherrekord aufgestellt wird. Drittens das Durchschnittsalter vollkommen überschätzt. Bin ich wirklich schon so alt, dass ich unter angetrunkenen postpubertierenden Studenten und Jugendlichen klaustrophobische Anfälle bekommen muss? Viertens hatte der Sponsor wohl einiges unterschätzt. Das Festival ist gratis und finanziert sich über den Verkauf von Getränken und Speisen. Schön wäre es gewesen, wenn denn die Brauerei aus die Bremen genügend Bier zum Verkauf angeboten hätte. Von sieben angesteuerten Bierpavillions auf dem Gelände konnte gerade mal einer Bier verkaufen. Fünftens war die Deutsche Bahn nicht in der Lage angemessen auf so eine Großveranstaltung zu reagieren.
Trotz allem habe ich den Auftritt von Calexico genossen, auch wenn die Konzertzeit in keinem Verhältnis zu An- und Abreise und der Bierodysee stand. Die Fantastischen Vier haben wir uns schon gar nicht mehr angesehen, denn irgendwie wollte ich auch wieder nach Köln kommen.

22819Sonntag dann die Parade vom CSD. Wieder einmal die größte Europas, und wieder einmal schön, lustig, ernsthaft und anstrengend. Die politische Aussage hat mir dieses Jahr besonders gut gefallen, insbesondere im Hinblick auf rückläufige Akzeptanz hierzulande, und der unfassbaren Situation in Osteuropa.
Bei einigen Mitgliedern der EU muss man sich ernsthaft fragen, wie sie trotz erheblicher Mißstände in Menschenrechtsfragen den Beitritt geschafft haben.