
Die, die grundlegende Freiheiten aufgeben, um vorübergehend ein wenig Sicherheit zu bekommen, verdienen weder Freiheit noch Sicherheit.
Benjamin Franklin
Unser Innenminister warnt vor erhöhter Terrorgefahr. Der Zeitpunkt fällt mal wieder zufällig mit schlechten Umfragewerten der Regierung zusammen. Nun gut, das kann passieren. Es ist zwar eine statistische Auffälligkeit, dass diese Warnungen häufig parallel zu Stimmungstiefs stattfinden, aber daraus muss man ja nichts ableiten. Merkwürdiger ist dann schon die Art und Weise wie gewarnt wird. Die Süddeutsche Zeitung schreibt:
Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) erklärte, er nehme an, dass die mutmaßliche Bombe für den Air-Berlin-Flug nach München bestimmt war. Das Bundeskriminalamt wartete bis zum Abend auf Informationen aus Windhuk. Zurückhaltend hieß es: Möglicherweise könnte es sich um einen Testkoffer handeln, mit dem die Sicherheitskontrollen in Windhuk geprüft werden sollten.
De Maizière hat noch keine Information ob es eine Bombe gab und wenn ja, wohin diese eigentlich geflogen werden sollte. Er nimmt einfach mal an, und fragt dann später genauer nach. Interessante Vorgehensweise allerdings nicht überraschend, denn bisher hat diese Regierung ja noch nicht unbedingt damit geglänzt nach Erkenntnissen und Zielen zu handeln.
Wenn man sich die Terrorwarnung nochmals genau anschaut, dann muss man zu der Frage kommen: Vor was genau wird eigentlich gewarnt? Ein wesentliches Merkmal des Terrors ist doch, dass er allgegenwärtig ist und Angst und Schrecken verbreitet. Sobald man also vor Terror warnt gießt man eigentlich Öl ins Feuer. Das mag zynisch klingen und könnte den Schluss nahe legen, dass man die Terroristen einfach mal machen lassen soll. Nein, selbstverständlich soll man dies nicht, aber ebenso wenig sollte man den Trugschlüssen unterliegen, dass es im Leben eine hundertprozentige Sicherheit gibt, und das Terrorismus jemals komplett auszumerzen ist. Solange es Menschen auf diesem Planet gibt, solange wird es auch Terrorismus geben, in der ein oder anderen Form, mal mehr mal weniger.
Ziel ist also ein möglichst geringes Level. Und dazu gehört nicht nur der Akt eines terroristischen Anschlags sondern insbesondere die Angst vor einem solchen so gering wie möglich zu halten. Es ist die überproportionale Angst die den Terror so gewaltig erscheinen lässt. Statistisch gesehen ist die Wahrscheinlichkeit bei einem Terroranschlag ums Leben zu kommen (bezogen auf unsere westliche Wohlstandswelt) mehr als gering. Man stirbt eher an einem Herzinfarkt, einer banalen Grippe, einem Autounfall oder einem Blitzschlag. Die Wahrscheinlichkeit ist in den letzten Jahrzehnten sogar noch rückläufig, was übrigens nicht an verbesserten Sicherheitsmaßnahmen liegt, da fast alle Maßnahmen nur Reaktionen auf verübte oder beinahe verübte Anschläge waren und nicht initiativ (neudeutsch: proaktiv) stattfanden. Beispiele: Flüssigkeitsverbot auf Flugreisen, Überwachung der Frachtsendungen, Schuhbomber etc. pp. .
Dies bringt uns zu dem Punkt an dem man dem Terrorismus einen temporären Sieg zusprechen muss. Mit einem sehr geringen Aufwand (geringe bis keine Anschläge in letzter Zeit – oder wann fand z.B. in Deutschland der letzte große terroristische Anschlag mit unzähligen Toten statt?) ein Klima von Unsicherheit und Angst zu erzeugen. Nehmen wir das Beispiel der Nacktscanner an Flughäfen, unabhängig davon ob damit nun die Privatsphäre zu sehr missachtet wird, kostet die Aufrüstung Unmengen an Geld, Zeit und leider auch an Gesundheit, denn jede Strahlung der Scanner erhöht möglicherweise das Krebsrisiko. Eine Minimale Chance Opfer einer Bombe an Bord zu werden wird mit einer erhöhten Chance an Krebs zu erkranken erkauft. Ebenso könnte man in seiner Neubauwohnung mit einem Helm durch die Zimmer laufen, der einem mit seinem Riemen langsam die Luft abschnürt, um sich vor dem theoretisch möglichen Abbröckeln eines Stücks Putz zu schützen, weil man gehört hat, dass der Verputzer vor zwanzig Jahren mal unsauber gearbeitet hat. Derweil stolpert man über die vergessene Putzkelle, die man durch den sperrigen Helm nicht mehr sehen konnte, und bricht sich das Genick.
So handeln leider gerade unsere Politiker, man versucht aus aus einer Wahrscheinlichkeit im niedrigen Promillebereich eine noch geringere Chance zu machen. Der Aufwand um dies zu erreichen ist hoch, denn er umfasst nicht nur finanzielle Mittel sondern auch Persönlichkeitsrechte und Freiheit. Wer streng wäre würde sagen: Die überzogene Handlungsweise der Regierung macht sie indirekt zum Handlanger des Terrors.
Evtl. sollte man mal auf dieser Seite (unvollständige Chronik erfolgreicher Terroranschläge) einen Blick auf die Jahre 1983 bis 1990 legen. Wenn man sich die Vielzahl an Flugzeugentführungen, Sprengstoffanschläge etc. anschaut und sich ein ähnliches Szenario heutzutage vorstellen würde, dann möchte man nicht skizzieren wie die Auswirkungen im Gegensatz zu damals wären (bezogen auf Hysterie, Angst, Überwachung, Misstrauen, Generalverdacht etc.). Das Argument in unserer Zeit wäre so etwas durch die gesteigerten Sicherheitsmaßnahmen nicht mehr möglich greift nicht, denn wir können nur Dinge verhindern von denen wir wissen wie sie durchgesetzt werden, und der Terrorismus ist äußerst kreativ im entdecken immer neuerer Mittel.
Man kann nur hoffen das bei einer ähnlichen Welle (welche hoffentlich nicht wieder eintritt) dennoch weiterhin einigermaßen Ruhe bewahrt wird, und man sich evtl. darauf konzentriert die Mittel zur “Bekämpfung” des Terrorismus effektiver einsetzt, indem man die Ursachen und nicht die Auswirkungen damit reduziert.
Das ganze nochmals in Kürze, in leicht humoristischer Form, vom großartigen Volker Pispers, zwar schon etwas älter aber leider immer noch aktuell:

Hunger ist der Handlanger des Genies.
Mark Twain
Freitagabend hat es Hunger endlich in Köln auf die Leinwand geschafft. Es war vermutlich eines der intensivsten Kinoerlebnisse der letzten Zeit. Auch wenn mittlerweile drei Tage vergangen sind, ist es nicht einfach seine Gedanken zu ordnen und etwas über den Film zu schreiben. Um es mit meinem lieben Kinobegleiter und dessem liebstem Begleiter zu sagen: “Ein echt krasser Film”.
Der Film hat als Grundlage die Geschichte des Hungerstreiks des IRA-Terroristen Bobby Sands. Aber es ist viel mehr als ein Film über eine wahre Begebenheit, es ist ein Kunstwek, eine Anklage, eine philosophische Fragestellung, eine Ästhetisierung der Gewalt und gleichzeitig ihre Verurteilung. Es ist die künstlerische Auseinandersetzung mit Terror und Staatsterror und ein intensives Statement zur Gewalt gegen andere und sich selbst.
Jegliche normale Filmbesprechung würde dem Charakter des Films nicht gerecht, deshalb gibt es nur ein “besonders Empfehlenswert” von mir, und 10 von 10 Punkten.
[imdb]0986233[/imdb]
Och ja doch: Brücke eingestürzt und schon wieder “kein Hinweis auf einen Terroranschlag”.
Langsam sollten mal wieder Bomben explodieren, sonst gehen den Journalisten die Themen aus. Oder, war da was im Irak?