Proud to be mainstream

ColdplayLetzen Freitag ging es in die KölnArena (neu: LanxessArena) zum lange erwarteten Coldplaykonzert. Ja, ich weiß, mit erscheinen der CD X&Y wurde es modern sich über Coldplay zu beklagen. Der Vorwurf wurde laut die Band hätte sich dem Mainstream hingegeben. Ich kann dieses Gejammer nicht mehr hören und es eigentlich auch nicht ganz nachvollziehen. Natürlich ist die Menge verkaufter Platten nicht mit der Qualität gleichzustellen, und häufig herrscht da ein extremes Missverhältnis, allerdings kann man dementsprechend Massenware auch nicht pauschal als Minderwertig abqualifizieren. Coldplay gelingt es meiner Meinung nach hervorragend ein breites Zielpublikum anzusprechen ohne dabei Qualität vermissen zu lassen.

Um das Resümee vorwegzunehmen: Es war ein in allen Belangen ausgezeichnetes Konzert.

Setlist

  • Life in technicolor (inst.)
  • Violet Hill
  • Clocks
  • In my place
  • Speed of sound
  • Cemeteries of London
  • Chinese sleep chant
  • 42
  • Fix you
  • Strawberry swing
  • God put a smile upon your face
  • Talk
  • The hardest part
  • Postcards from far away(inst.)
  • Viva la vida
  • Lost!
  • The scientist (akustisch)
  • Death will never conquer (akustisch)
  • Politik
  • Reign of love
  • Lovers in Japan
  • Death and all his friends
  • Yellow

Quelle: hier, entspricht auch meinen Erinnerungen

Ein Kriterium für ein gutes Konzert ist, meiner Meinung nach, wenn die Lieder nicht 1:1 wie auf der CD runtergespielt werden. Hier hat Coldplay das Soll mehr als erfüllt. Die Stücke wurden akustisch oder instrumental interpretiert, die Tempi wurden verändert und es gab unerwartete Brüche innerhalb der Songs.
Weitere Pluspunkte sind gesangliche und musikalische Qualitäten und Bühnenpräsenz. Auch hier war alles sehr gut. Der Band merkte man an dass sie Spaß am Musizieren haben, sie beherrschen Instrumente nicht nur unter Studiobedingungen, und Chris Martin interagierte genau in der richtigen Dosis mit dem Publikum. Den Spaß bemerkte man besonders bei den Liedern God Put A Smile Upon Your Face und Talk, die ganz, bzw. teilweise als Techno-Dance-Versionen gespielt wurden. Sicherlich nicht jedermanns Sache, aber dennoch ein nettes Experiment.

Die Bühnenshow war dem Konzert auch angemessen, nicht zu bombastisch um in den Vordergrund zu treten, aber auch nicht so spärlich wie 2003 in Düsseldorf als man ausschließlich auf Laser setzte. Recht einfache gesetzte Akzente – wie von innen projizierte Leinwandkugeln, eine Großprojektion von Die Freiheit führt das Volk an von Eugène Delacroix, eine von unten beleuchtete Minibühne und als Höhepunkt ein Regen von abertausenden Papierschmetterlingen -korrespondierten sehr gut abgestimmt mit den Songs, ohne ihnen jedoch die Show zu stehlen.

Bewundernswert, finde ich übrigens immer wieder, ist die Menge der Hits verglichen mit der Anzahl der veröffentlichten Alben. Bei vier Alben ein ganzes Konzert fast gänzlich aus Charthits spielen zu können ist meiner Meinung nach nicht so selbstverständlich – wenn man mal von Boybands absieht, deren Lieder schon allein durch die Struktur der Fangemeinde immer wieder zu Top-Ten-Nummer werden.

Mein persönliches Highlight war die letzte Zugabe. Yellow stellt für mich einfach einen emotionalen Schlüsselreiz dar, und ich war sehr erleichtert das es ganz am Ende doch noch Platz auf der Setlist fand.

Der einzige negative Aspekt war, dass es evtl. ein wenig zu kurz war. Es war zwar schon länger als damals in Düsseldorf, aber ein oder zwei Viertelstunden könnten sie sicher noch drauflegen.

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