Gratisabo

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Die Zeitung ist der Sekundenzeiger der Weltgeschichte.
Arthur Schopenhauer, (1788 – 1860)

Man mag ja von Sarkozy halten was man mag, aber diese Idee finde ich hervorragend und nachahmenswert: Jeder Franzose soll zu seinem 18. Geburtstag ein Jahresabo einer Tageszeitung seiner Wahl geschenkt bekommen. Bezahlt wird die Aktion von den Verlagen (Informationspresse) die wiederum dafür vom Staat subventioniert werden. So eine Maßnahme hilft allen Seiten.
Man könnte dagegen halten und behaupten dass die Tagespresse im Zeitalter des Internets sowieso im Sterben liege. Aber gerade in der Tatsache dass die Zeitungen nicht mehr schnell jede Meldung verbreiten müssen liegt ihre Chance. Mit der Aktualität des Internets kann die Tagespresse nicht mehr mithalten, aber wenn sie das Hauptaugenmerk auf gut recherchierten Journalismus und Analyse der Themenlage legt, ist sie dem Medium Internet voraus. Wer im Netz Themen von gestern beschreibt geht im Aktualitätswahn unter.
Bleibt zu hoffen dass sich die Presse ihrer Chance bewusst ist und sie nutzt, und stattdessen nicht ihre Alleinstellungsmerkmale des guten Journalismus im Aktionismus aufgibt um im verloren Kampf der Aktualität mithalten zu können.

4 Gedanken zu „Gratisabo&8220;

  1. Klasse Idee und ein gutes Statement. Habe übrigens auch festgestellt das „gut recherchierter Journalismus“ eine seltenheit geworden ist (besonders hier).
    Es mangelt an Hintergrudinformationen oder Querverbindungen die sehr oft die Spannung einer Story ausmachen.
    Übrigens, klasse Theme, gefällt besser als die 80er.

    C.

  2. Frankreich hat unter anderem das Problem, dass seine Jugend ausgesprochen politikverdrossen ist. Nicht zuletzt die Kinder der Immigranten, denen Sarkozy mehr als einmal gezeigt hat, dass er sie für Menschen zweiter Klasse hält.
    Die politische Elite hat in Frankreich einen unappetitlich großen Einfluss auf die Berichterstattung. „Hart aber fair“ würde in Frankreich nicht von Plasberg, sondern Biolek oder Kerner moderiert.
    Das Vertrauen der Franzosen in den Journalismus ist verständlichermaßen gering. Spitzenpolitiker und sogenannte „Topjournalisten“ schaukeln sich gegenseitig die Eier.
    Politiker haben das Recht, die mit Ihnen geführten Printinterviews vor Veröffentlichung zu „redigieren“. Einige der engsten Freunde Sarkozys sind die Eigentümer der größten Medienunternehmen Frankreichs.
    Bevor ich Sarkozy zu dieser Idee applaudiere überlege ich mir, wer der tatsächliche Nutznießer dieser Maßnahme ist: der Journalismus, so wie er einer gesunden Demokratie förderlich wäre, oder Sarkozy und sein Image als mutmaßlicher Retter des „unabhängigen“ Journalismus. Sarkozy ist ein Taktiker mehr als alles andere.

  3. Nun, da ich die Situation der französischen Presse nicht kenne ging es mir hier in erster Linie um die Idee, unabhängig vom „Ideengeber“ und seiner Motivation, einfach wertneutral betrachtet. Für Deutschland finde ich die Idee immer noch sehr interessant.
    Dass Sarkozy diese Idee nicht aus Selbstlosigkeit geäußert hat ist unumstritten. Jedoch frage ich mich trotzdem ob ihm die Idee nicht eher selbst schaden könnte, denn wenn das Vertrauen in den Journalismus so gering ist, dann wird das Angebot des Gratisabos schlimmstenfalls nicht angenommen, was zu einer unbequemen Debatte des „Warums“ führen könnte.

  4. Nun, es ist doch wohl so, dass es schon lange vor der „globalen Wirtschaftskrise“ in Frankreich eine „Zeitungskrise“ gab. Diese wird jetzt nur vom globalen Thema überdeckt. Dies ist also Sarkosys Versuch die Zeitungs-Branche zu retten…
    Man kann nicht sicher sagen, ob er das nur aus taktischen Gründen vorgeschlagen hat.
    Eher wird es wohl eine große Lobby sein, die ihn dazu gedrängt hat, die Presse-Krise nicht zu verdrängen.

    Die Idee an sich ist allerdings für alle sehr wünschenswert. Auch für uns in Deutschland.

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