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Was dir auch zustößt, es war dir von Ewigkeit her vorbestimmt.
Marc Aurel

Madame Michel (Josiane Balasko) ist Concierge in Paris. Es ist ein elegantes Haus, und Madame Michel wirkt auf den ersten Blick mürrisch, ungepflegt und unscheinbar. Dies ist jedoch mehr eine Rolle in die sie schlüpft, um sich vor der herablassenden Art der Hausbewohner zu schützen.

Die hochbegabte 11-jährige Paloma (Garance Le Guillermic), die im gleichen Haus wie Madame Michel wohnt, lebt ebenfalls in einer anderen Welt. Sie beschließt am Tag ihres 12. Geburtstages Suizid zu begehen, da sie ihr Leben im Luxus als ärmlich betrachtet.

Doch mit dem Einzug des Japaners Kakuro Ozu (Togo Igawa) ändert sich etwas. Es knüpfen sich zarte Bande der Zuneigung zu der Concierge, und auch Paloma entdeckt neue Facetten des Lebens.

Die Geschichte ist die Verfilmung des Romans “Die Eleganz des Igels” von Muriel Barbery.

Ich muss zugeben, das mich die Person des altklugen Mädchens in den Trailern doch ein wenig abgeschreckt hat. Glücklicherweise hat es die Schauspielerin der Paloma jedoch geschafft, dass mir der Part nicht bereits nach zehn Minuten gehörig auf die Nerven fiel. Insgesamt hängt der Film sehr an den schauspielerischen Leistungen, denn auch die Protagonistin wird hervorragend von Josiane Balasko verkörpert. Eine nicht ganz so einfache Aufgabe, hätte die Rolle auch sehr schnell im romantischen Kitsch ertrinken können.

Stattdessen ist jedoch die schmale Gratwanderung zu Klischee und Verklärung größtenteils gelungen. Dies ist nicht nur den schauspielerischen Leistungen zu verdanken, sondern auch dem unaufdringlichen Humor und der Leichtigkeit der Inszenierung.

Etwas halbherzig ist evtl. die Umsetzung des Charakters des Japaners, der teilweise doch ein wenig dem Prospekt einer, mit japanisch Lebensweisheiten angehauchten, esoterischen Sekte entsprungen zu sein scheint. Allerdings fällt diese Schwäche nicht
zu sehr ins Gewicht, und der angenehme Grundcharakter des Films bleibt erhalten.

So erhält man am Ende einen mal wieder sehenswerten französischen Film, unterhaltsam und solide, aus dem oberen Durchschnitt.

[imdb]1442519[/imdb]

grundg

Liebe zur Schönheit ist Geschmack. Das Schaffen von Schönheit ist Kunst.
Ralph Waldo Emerson


Vor einem liegt einer dieser Hochglanzbildbände im Großformat, eine Hommage an die Ästethik der 60er Jahre. Einer der Sorte die man so schnell nicht wieder aus der Hand legt, weil die Bilder so bestechend schön sind. Man blättert durch Abbildungen von moderner Architektur, maßgeschneiderten Anzügen, polierten Automobilen, Frauen in Abendkleidung und akurat gesetzten Hochsteckfrisuren. Bilder von Möbeln, Alltagsgegenständen, von perfektem Makup und inszenierten Landschaften. Selbst ein etwas aus der Reihe tretendes Bild von einer Leiche im Schnee ist so schön fotografiert, dass es nicht Fehl am Platz wirkt.

Erst nach mehrmaligen hin und her blättern sieht man sich auch mal den Text an. Hochglanzbildbände haben meist immer auch Text, der aber häufig zum größten Teil aus Quellennachweisen besteht, und den kaum jemand bewußt liest. Hier ist es anders, man findet die Geschichte eines Menschen dessen langjähriger Lebenspartner bei einem Unfall verstorben ist. Die Geschichte will auf den ersten Blick nicht so sehr zu den schönen Bildern passen, erzählt sie doch von Trauer und Schmerz, von Ängsten und von Einsamkeit.

Es ist die Geschichte eines einzigen Tages im Leben des Literaturprofessors George Falconer (Colin Firth). Vor acht Monaten verlor er seinen langjährigen Partner, und seit dem scheint sein Leben still zu stehen. Nach Außen ist alles geordnet und akurat, im Innern scheint er aber nur noch von der Erinnerung zu leben, versunken in tiefem Schmerz und Trauer.

Man liest die Geschichte und sieht sich die Bilder ein weiteres Mal an. Plötzlich entdeckt man hinter jeder exakt gesetzten Bügelfalte und dem perfekt gemalten Lidstrich die Makel. Die Bilder bleiben weiterhin schön, aber diese Schönheit trägt einen Schleier aus Schmerz und Einsamkeit. Man kann den Bildband nicht weglegen, zu wiedersprüchlich erscheinen Ästhetik und Schmerz und dennoch macht genau dieser Gegensatz die Faszination aus.

Tom Fords Regiedebut A Single Man ist ein beachtliches Kinoerlebnis. Ein Genuß an hervorragender Schauspielkunst von Colin Firth und Julianne Moore, ein Genuß an Ästethik und ein Genuß an Fotografie und Erzählkunst. Bis auf geringe Kleinigkeiten stimmt hier jeder Bestandteil. Teilweise für manchen Kritiker zu perfekt inszeniert und dabei künstlich wirkend, macht für mich genau dieser Aspekt den Reiz dieses Films aus. So ein bisschen wie die Schönheit eines Vulkanausbruchs die so faszinierend ist, dass man die Bedrohung kaum noch wahrnehmen kann.

Ford trifft genau meine Nerv: Ein Film der beinahe schon den Charakter eines Kunstwerks besitzt, jedoch nicht zu entrückt ist um noch unterhaltend zu sein. Ich werde diesen Bildband vermutlich noch häufiger zur Hand nehmen um darin zu blättern und noch mehr zu entdecken.

[imdb]1315981[/imdb]

geogeo

Gut in Schlecht zu verkehren, ist jedem bequem, doch in Gut umzugestalten, was schlecht, das ist eine gewaltige Tat.
Theognis von Megara



Bei David und Anju entdeckte ich die nette Blogparade Die zehn schlechtesten Filme, die ihr je gesehen habt auf Gillys Blog.

Da musste ich einfach mitmachen, negative Bewertungen machen einfach mehr Spaß. Der Titel der Parade sagt es ja schon, es geht um Filme die man selbst gesehen hat. Die richtig schlechten fallen ja glücklicherweise bereits bei der Auswahl durch, so dass man sie erst gar nicht zu sehen bekommt.

Hier also zehn Filme die meiner Meinung nach sehr schlecht waren:

  • Blair Witch Project
    Wenn eine nervende Frauenstimme einem 90 Minuten lang kreischend weismachen will, dass es gruselig ist, dann ist es in erster Linie nur unglaublich nervig aber ganz bestimmt nicht ansatzweise gruselig oder spannend.
  • Der Teufel trägt Prada
    Wie kann ein Film eine solche Vorlage dermaßen versemmeln? Statt mit der kompletten Modeindustrie abzurechnen ist das Ergebnis eine halbseidene laue Komödienromanze die zeigt, dass der Regisseur nicht ansatzweise Ahnung vom Thema Mobbing hat. Thema verfehlt, setzen.
  • Independence Day
    Ein Film bei dem ich mich beinah in die Sitzreihen vor mir hätte übergeben müssen. Stumpfsinnigster Patriotismus, schmerzhafte Dialoge und der Anfang allen Übels der Emmerich-Filme. Seine nachfolgenden Werke mögen noch schlimmer gewesen sein, ich hab sie mir nicht angetan und werde ihn meiden wie der Teufel das Weihwasser.
  • X-Men – Der letzte Widerstand
    Materialschlacht ohne Sinn und Verstand und so vielen Logikfehlern, dass es nicht einmal reicht mittelmäßiges Popkornkino zu sein.
  • Der Fluch der zwei Schwestern
    Einer dieser Filme die mich beeindrucken: Wie schaffen es die Filmemacher für so einen Dreck Produzenten und einen Verleih zu finden?
  • Blues Brother
    OK, ich gebe zu der Film ist nicht wirklich schlecht. Aber diesen Kult der um ihn gemacht wird verstehe ich nicht. Was ihn aber schlecht macht ist, dass es solche Filme sind, die aus den größten Langeweilern und Idioten “coole Jungs” machen. Das Problem: Sie sind nicht cool, und werden es auch nicht wenn sie zum fünfhundertsten Mal eine Blues-Brothers-Szene zitieren und sich dabei wie der King fühlen.
  • Der goldene Kompass
    Ich bin ja sowieso kein Fan dieses Genres, aber diese seelenlose Leinwandwerk ist wirklich unglaublich weit davon entfernt “Fantasy” zu sein, da ist die Ferrero Rocher Werbung ein kreatives Meisterwerk gegen.
  • Star Wars I -III
    Insbesondere der erste Teil war Blasphemie. Man sollte manche Dinge einfach lassen wie sie sind.
  • Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels
    Unwürdige Fortsetzung einer ganz netten Filmreihe. Ich halte Spielberg ja sowieso für ein wenig überschätzt, aber hier zeigt er was er kann: Kompletten Müll produzieren und dabei eine der besten Schauspielerinnen unserer Zeit verheizen. (Arme Cate)
  • Matrix Reloaded
    Bestes Beispiel wie man einen Kultfilm auf die Müllhalde der Filmgeschichte befördert. Oder, wie zeigt man am besten, dass es auch unter Regisseuren und Drehbuchautoren One-Hit-Wonder gibt: Mache ein Sequel der dümmer ist als ein Film der Police-Academy-Reihe.

grosa

Mögen die Tiefpunkte des vergangenen Jahres die Höhepunkte des kommenden sein.
Unbekannt



Kleine Nachbetrachtung der Oscarnacht in Stichpunkten:

  • Moderation: Baldwin und Martin waren vermutlich die größte Enttäuschung des Abends. Habe mich versucht an noch schwächere Moderatoren in den letzten zwanzig Jahren zu erinnern, aber da war nichts schlimmeres. Die Witze hatten das Niveau einer 80er-Jahre “Mainz wie es singt und Lacht”-Sitzung, und die beiden hatten Mühe sie vom Teleprompter abzulesen, so dass selbst die erträglicheren Gags zündeten wie eine nasse Lunte. Auftakt und Einspieler ware zudem so unglaublich uninspiriert, dass es fast zur Qual wurde.
  • Glamourfaktor: Es fehlte über weite Strecken das gewisse etwas, der so genannte Starappeal. Das mag daran liegen, dass die beiden Frontrunner-Filme entweder gänzlich ohne Schauspieler auskamen (Avatar) oder nicht über eine besonders bekannte Besetzung verfügte (The Hurt Locker). Die Dichte an Stars war dem entsprechend gering. Und bei allem Wohlwollen, Zac Efron und Miley Cyrus versprühen eher das Gegenteil von Glamour und haben einen eher auf der Eröffnung eines Disney-Stores wähnen lassen. Zu der geringen Stardichte kam ein Bühnenbild, welches statt “Gala” ganz laut das Wort “Wirtschaftskrise” zu brüllen schien. Düster, klein und ohne Pomp, und dazu mit einer Bildregie die ständig auf Supertotale schaltete, so dass es manchmal zu einem Rätsel ausartete welcher Person man da gerade lauscht.
  • Preisträger: Die Nebendarsteller waren fest gesetzt, und bei Waltz geht es in Ordnung, bei Mo’Nique kann ich mir kein Urteil bilden. Auch bei den Hauptdarstellern gab es die erwarteten Gewinner, und während ich Bridges herzlich gratuliere, so komme ich immer noch nicht darüber hinweg das Frau Bullock mit der Statue nach Hause gehen durfte. Klar, ich hab den Film noch nicht gesehen und kann es nicht bewerten, aber ich habe eine wirklich extrem schlechte Meinung von Ihr und Ihrer “Schauspielkunst”, und zudem ist sie mir einfach unsympathisch.

    “The Time has come”, die Worte von Barbra waren gut gewählt, denn es war wirklich an der Zeit festzustellen, dass auch Frauen Regie führen können. Die Sichtung von “The Hurt Locker” steht noch aus, aber ich bin in erster Linie froh, das Avatar nicht der Abräumer geworden ist wie man evtl. befürchten konnte. Denn wenn einem Film wesentliche Bestandteile fehlen, so wie Avatar ein Drehbuch und schauspielerische Leistung, dann kann es einfach nicht der “beste Film” sein. Und auch bei Cameron mache ich keinen Hehl aus meiner Antipathie. Ich finde er gehört zu den am meisten überschätzten Regisseuren. Was er gut kann ist “Teuer”, aber mit Ausnahme von Alien sind es meines Erachtens nur blutleere Materialschlachten mit gutem Marketing. Und Avatar ist der Höhepunkt der Seelenlosen Produktionen.

  • Mode: Was wären die Oscars ohne das obligatorische “What are you wearing?” Auch hier beherrschte aber leider irgendwie das Label “Wirtschaftskrise” die Szenerie. Merkwürdigerweise hatten gerade die Damen mit Figurproblemen die engsten Kleider an, während die ernsthaft magersüchtig erscheinenden wie z.B. Sarah Jessica Parker in überdimensionale Sackkleider gehüllt waren aus denen nur spitze Schulterknochen hervorstachen. Blasse Rosatöne und Pastell war angesagt, dummerweise auch bei weißhäutigen oder rothaarigen Typen, so dass ich manchmal das Gefühl hatte eine Folge Poltergeist zu schauen. Und die Friseure in L.A. waren vermutlich alle auf einem Betriebsausflug, denn was auf den Köpfen der Damen und Herren teilweise zu sehen war spottet jeder Beschreibung.

Fazit: Eine äußerst schwache Verleihung, insbesondere auf Grund der unterirdischen Moderation und dem Mangel an starken Persönlichkeiten unter den wenigen anwesenden Stars. Die Verteilung der Gewinner macht aber teilweise etwas Wett, auch wenn es hier und da ein paar böse Ausrutscher gab.

ggrundig

Morgen früh ist die Nacht um.
Volksmund

So, die Oscarnacht steht vor der Tür. Kurz überschlagen ist dies die 21. Oscarverleihung die ich live mitverfolge – also natürlich nicht vor Ort, sondern vor dem Fernseher oder der Leinwand.
Glücklicherweise gibt es ja mittlerweile Twitter und damit eine sehr gute Plattform um das Ereignis live mit einer Vielzahl anderer Leute zu kommentieren und Weisheiten auszutauschen.
Der Blog wird deshalb nur zur Nachbetrachtung herangezogen. Wer ein bisschen in die Twitterwelt reinhorchen will, dem empfehle ich das Liveblogging auf mostlymovies, in das, wenn alles klappt, auch meine Tweets einfließen werden. Und wo noch ein paar viel versiertere Filmkenner ihren Senf loswerden.

Noch schnell ein paar Tipps von mir: Avatar wird weder bester Film, noch beste Regie gewinnen (Cameron muss seiner Ex den Vortritt lassen). Waltz gewinnt auch hier, Bullock wird gewinnen, und größte Überraschung wird der Oscar für Colin Firth.

Bis gleich bei Twitter.